Michaels Reisetagebuch - Michael Schubert berichtet in seinem Erfahrungsbericht über schwere Missstände in Graz/Österreich

Menschenverachtende Erfahrungen in Graz: So hat alles begonnen
Eine Chronik des Schreckens: 2005-2008

»Sigmund Freud«- Klinik, Graz: Hilfloser, ans Bett gefesselter Mensch wurde mit Semmel erstickt, die ihm in den Mund gestopft wurde +++ Zum Bericht hier klicken +++ Menschenquälerei auch in Wien: Schwere Missstände werden aus dem 'Otto Wagner'-Spital gemeldet +++ Grazer LKH: Arzt soll psychisch Kranken -ohne deren Einverständnis- unerlaubt große Mengen Blut abgenommen haben und dubiose Studien betrieben haben +++ Details in der Rubrik 'Schauerliches aus der österreichischen Presse' +++



Inhalt:
I. Ankunft in Graz (diese Seite ist aufgerufen)
II. Erste Schikanen der Grazer Behörden
III. Drohende Eskalation
IV. Erschreckende Erlebnisse in der »Sigmund Freund«-Klinik
V. Wer ist der dicke Mann?
VI. Neuer Suizidversuch
VII. Vertuschung und Abstrafung
VIII. Richtung Winter
IX. Mangelndes Vertrauen

Bilder meiner Wohnung
Schauerliches aus der österreichischen Presse 1-2-3-4-5-6
Vergleich Irland vs. Österreich
Stimmen der Leser     Häufig gestellte Fragen
E-Mails an Politiker, Medien & Hilfsorganisationen 1-2-3

Aktuell - bitte lesen! Herr Landeshauptmann Voves! Tun Sie etwas gegen die schweren Mißstände in Ihrem Bundesland!
27 Fragen an Landeshauptmann Franz Voves - keine einzige wurde beantwortet!
Aktuell - bitte lesen! Schreiben an Kanzlerkandidat Werner Faymann (SPÖ)
... und die Reaktion zwei Tage später
Aktuell - bitte lesen! E-Mail an den österreichischen Bundespräsidenten, Heinz Fischer, und die Antwort
Aktuell - bitte lesen! Brief an die Vorsitzende des Petitionsausschusses, Kersten Naumann
Aktuell - bitte lesen! Offener Brief an die »Sigmund Freud«-Klinik/
Meine Patientenverfügung

Hier berichte ich über meine grausigen Erfahrungen in der Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Steiermark, Graz. Der Bericht beginnt vollkommen harmlos im Jahr 2005 und eskalierte von Tag zu Tag weiter. Nach zahlreichen, erfolgreichen Auslandsaufenthalten sollte für mich (aus Buchholz/Nordheide bei Hamburg stammend), Österreich eine neue, schöne Erfahrungsetappe sein. Wurde es nicht. Ich weiß bis heute nicht, was schlimmer war: Die zutiefst widerwärtigen Dinge, die ich in der Grazer »Sigmund Freud«-Klinik habe erleben müssen oder das konsequente Wegschauen und Vertuschen in der Zeit danach.

Lest mit mir einen düsteren Bericht voller Eskalationen, Hass, Intrigen und böser Spielchen. Begleitet mich zu den Grazer Behörden und lernt mit mir Dr. Schwarzls spezielle Behandlungsmethoden, Ludwig Seerainer und ganz viele Beamte kennen. Eine Geschichte, die keine Gewinner kennt ...

Diese Seite wurde erstmals im Oktober 2006 veröffentlicht - elf Monate nach den Vorkommnissen, die ich auf den folgenden Seiten schildere. In diesen elf Monaten hat mir niemand geholfen. Alle haben weggeschaut, alles sollte vertuscht werden. Der Fall sollte nicht vor Gericht kommen. Erst nach elf Monaten vergeblicher Hilfesuche habe ich diesen Bericht ins Internet gestellt. Erneut wurde weggeschaut; so dass ich mich (erst) im Februar 2007 entschieden habe, Fotos zu veröffentlichen.
Die Kapitel I.-III. sind die einleitende/erklärende Vorgeschichte; der Hauptteil beginnt mit dem IV. Kapitel.


* * *

Prolog: Bereits Ende des Jahres 2004 hatte Karin Sch. aus Graz-Gösting Kontakt mit mir in Irland aufgenommen, wo ich seit Januar 2004 lebte. Sie hatte meine Webseite gelesen und mir anschließend zahlreiche E-Mails geschrieben. Anfangs plante sie, mit ihren beiden Söhnen nach Irland zu ziehen, damit diese in einem englischsprachigen Umfeld aufwachsen können. Dieser Plan zerschlug sich schnell wieder. Auch die Idee eines längerfristigen Sprachaufenthaltes für ihre Kinder ließ sie schnell wieder fallen. Da es mir in Cork City wegen des Dauerregens und der ganzjährig niedrigen Temperaturen nicht mehr gefiel und mir immer bewußter wurde, dass ich dort keinen weiteren Herbst/Winter verbringen möchte, wuchs in mir die Idee, nach Graz umzuziehen. Nach Österreich wollte ich schon, bevor Karin mir mir Kontakt aufgenommen hatte; Graz stand zunächst allerdings überhaupt nicht zur Debatte (ich tendierte eher in Richtung Innsbruck bzw. Vorarlberg). Karin erzählte mir viel von ihrer Stadt, so dass ich mich schließlich für die Hauptstadt der Steiermark entschied. Karin war hellauf begeistert und hatte fortan kein anderes Thema mehr.

Schon Monate vor meinem Umzug von Irland nach Österreich plante und organisierte sie Dinge für mich. Sie mietete mir eine Wohnung an, legte das Geld für die 1. Miete (€ 280) und die Kaution (€ 400) aus - ohne mich zu kennen, ohne mich -außer auf den Fotos meiner Webseite- je gesehen zu haben.

Sie schickte mir Stellenanzeigen zu, damit ich mich bewerben konnte, kostspielige Bücher über Graz, Süßigkeiten und anderes mehr. Sie rief mich immer wieder in Irland an, obwohl die Gespräche auf mein irisches Handy sehr teuer waren. Oft telefonierten wir über eine Stunde lang. An manchen Tagen schickte sie mir bis zu 40 SMSs.

Sie organisierte für mich die Spedition, die meine neun Kartons von Cork nach Graz lieferten. Sie putzte meine zukünftige Wohnung von grundauf und kaufte etliche Lebensmittel ein, die sie in den Schränken verstaute. Sie strich sogar die Zimmertüren mit Farbe an.

Das war eindeutig zuviel des Guten; nicht selten wurde mir das ganze unheimlich, zumal sie jahreland Mitglied bei den »Zeugen Jehovas« war. Sie löste sich angeblich aus dieser Sekte - nicht zuletzt im Interesse ihrer beiden Kinder. Ihre beiden Eltern (beide über 70) wohnen im selben Haus, sind ihre Vermieter und gehören der Sekte unverändert und mit einem hohen Maß an Fanatismus an. Karin hat sieben Geschwister, fast alle sind aktive Sektenmitglieder.

Karin lebt seit etwa vier Jahren in Scheidung. Sie hatte offensichtlich weder vorher noch nachher eine Beziehung. Sie hat weiterhin Kontakt zu ihrem Mann, der noch immer in Graz lebt und arbeitet, aber eine offenbar sehr junge Freundin hat. Erst viel später wurde mir bewusst, dass auch hier die Sekte ihre Hände im Spiel hatte und man die Scheidung zwischen zwei Jehova-Mitgliedern nicht zustande kommen lassen wollte.

Es wurde schon in Irland deutlich, dass sie mich als Typ Frau nicht interessierte. Sie ist ein sehr mütterlicher Typ, die mehr als zwei Augen auf ihre Kinder geworfen hat. Ich ließ sie frühzeitig wissen, dass ich keine Beziehung mit ihr führen möchte. Aber ich glaube, sie war allein und wollte mich trotzdem - auch ohne Beziehung. Ich sagte ihr auch frühzeitig, dass ich auf keinen Fall in einem Haus mit »Zeugen Jehovas« wohnen könne, obwohl sie schon durchblicken ließ, wie schön es wäre, wenn wir alle zusammen wohnen würden. Das sei auch kein Problem, sagte ich ihr, aber dann bitte in einer anderen Wohnung! Das akzeptierte sie ungewöhnlich schnell.

Karin wußte, dass ich ein großer Hundefreund bin und gern wieder einen hätte. Auch diese Idee griff sie begeistert auf. Sie betonte, dass sich besonders ihr jüngerer Sohn immer wieder einen Hund wünschte.

Nicht selten fragte ich sie: »Was ist, wenn ich dich nicht mag oder wenn du mich nicht magst?« - »Was ist, wenn es Schwierigkeiten mit der Jobsuche gibt?«. In unzähligen E-Mails antworte sie immer und immer wieder: »Mach' dir keine Sorgen! Ich helfe dir! Ich lasse dich nie hängen. Das könnte ich gar nicht!«

Sie führte etliche Telefonate mit den Behörden in Graz (Arbeits- und Sozialamt) und eröffnete ein Girokonto in meinem Namen. Seit Frühjahr 2005 habe ich mich -von Irland aus- etwa auf drei vakante Stellen pro Wochen beworben; allerdings kaum eine positive Nachricht erhalten. Lediglich das Tierheim »Arche Noah« reagierte (dazu später mehr). Ich buchte schließlich meinen Flug für den 3. August 2005.

In den letzten Wochen vor der Abreise geriet ich in eine leichte Panik (Angst vor Arbeitslosigkeit in einem fremden Land, Angst vor Karins möglicher Erwartungshaltung), über die ich auch mit Karin sprach. Urplötzlich überkam auch sie ein ziemliches Gefühl der Unruhe, ob ich so kurz vorher vielleicht eine Kehrtwendung machen könnte. Sie tröstete mich: »Mach' dir keine Sorgen. Dir wird Graz gefallen. Wir werden auch bei Problemen immer eine Lösung finden.«

Hier zunächst eine sehr kleine Auswahl aus 218 E-Mails, die Karin mir geschickt hat, als ich noch in Irland lebte. Sie zeigen auf, wie eklatant Karin mich belogen hat und ich so naiv war, das zu glauben.

Die Chronik:

Mittwoch, 3. August 2005:

Ich mit meiner über alles geliebten Lady, die ich am 1. August 2002 verlor

In den frühen Morgenstunden habe ich Irland nach etwas mehr als 1 ½ Jahren verlassen. Mein Name ist übrigens Michael, 1962 geboren, und ich komme ursprünglich aus Buchholz/Nordheide bei Hamburg.

Ich flog mit »Ryan Air« von Cork City über London-Stansted nach Linz in Österreich, wo ich um 16:20 Uhr eintraf. Karin holte mich vom Flughafen ab. Bei peitschendem Regen und wenig einladendem Österreich-Wetter fuhren wir nach Graz. Es war bereits dunkel, als ich erstmals meine zukünftige Wohnung in der Reininghausstr. 50 im Stadtteil Eggenberg betrat. Als wir das Licht in der Küche anknipsten, sah ich gerade noch, wie sich eine Kakerlake in Richtung Ausguss verabschiedete. In der Nacht fegte ein schwerer Orkan über Graz hinweg. Ungewöhnlich für die Jahreszeit - oder gar ein Symbol für all das Grauen, was in den nächsten Wochen folgen sollte?

Donnerstag, 4. August 2005:

Über meine Erlebnisse in den Ländern, in denen ich gelebt oder die ich bereist habe, gibt es zahlreiche Reiseberichte. Auch über mein nächstes Ziel, Österreich, sollte es einen Bericht unter dem Titel »Leben und Arbeiten in der Steiermark« geben; angereichert mit vielen Fotos und Beschreibung von Wanderungen und meiner Arbeit. Doch es kam alles so furchtbar anders und dieser Bericht ist stattdessen entstanden. Ein ganz besonderer Bericht, den ich nie gehofft habe, schreiben zu müssen ...

Meine etwa € 2.500 Erspartes, die ich in Reiseschecks dabei hatte, zahlte ich am Morgen auf mein Postgirokonto ein, das Karin für mich bereits eröffnet hatte.

Karin fuhr mich dann in das Tierheim »Arche Noah«, mit dem ich schon seit etwa sechs Wochen in Kontakt stand. Ich hatte mich dort von Irland aus bereits beworben und stand mit der dortigen Juristin Dr. Jammernegg-Krobath in ständigem Kontakt. Ein Vorstellungsgespräch (mit dem Tierheim-Präsidenten Herbert Oster) wurde für den heutigen Tag um 10:00 Uhr arrangiert. Obwohl der Termin schon seit etlichen Wochen feststand und ich diesen vorgestern noch einmal per E-Mail bestätigt bekam, erfuhr ich erst beim heutigen Besuch, dass Oster weder heute noch morgen da sei. Ein anderer Termin sei ihm angeblich dazwischen gekommen. Ich war ärgerlich, weil diesen Termin niemand abgesagt hatte. Können die sich nicht denken, was man am allerersten Tag in einem neuen Land alles erledigen muss? Ich solle mich Anfang nächster Woche noch einmal wegen eines neuen Termins melden.

Das Arbeitsamt (AMS) in der Niesenberger Strasse in der Nähe des HauptbahnhofsBeim Arbeitsamt (in Österreich »AMS« genannt, siehe Foto links), wollte ich mich jetzt arbeitslos und arbeitssuchend melden. Aber auch das ging nicht. Um sich arbeitssuchend zu melden, müsse man eine Sozialversicherungsnummer haben und die würde ich nur bei der Gebietskrankenkasse bekommen. Also fuhren wir dorthin. Aber diese Nummer bekam ich ebenfalls nicht. Um eine solche Sozialversicherungsnummer zu bekommen, müsse ich in Graz ordnungsgemäß angemeldet sein. Also fuhren wir ins Meldeamt, um mich anzumelden. Aber auch das funktionierte nicht! Denn der Vermieter muss das Mietverhältnis mit seiner Unterschrift schriftlich bestätigen. Und wo war mein Vermieter? Noch eine Woche im Urlaub!

Wenigstens klappte es am Nachmittag, eine österreichische Handy-Nummer zu bekommen, obwohl ich vorher € 20 auf den Tisch legen mußte, um es zu entsperren.

Freitag, 5. August 2005:

Am Morgen ging ich in die Zeitarbeitsfirma »ISS« in der Peter-Rosegger-Strasse. Frau Antowitzer bot mir eine Empfangstätigkeit in einer Firma in Weiz an, wo ich auch etwas Englisch sprechen müßte. Nachteil: Weiz ist recht weit von Graz entfernt. Die einfache Fahrt mit Bus oder Zug dauerte allein schon sechzig Minuten und bei der Tätigkeit handelte es sich nur um eine Teilzeitbeschäftigung (18 Wochenstunden). Ein Teilzeitjob wäre ja -trotz finanzieller Einbussen- noch zu akzeptieren, aber die Fahrt nach Weiz kostet ja auch noch einiges. Ich zeigte mich trotzdem weiterhin interessiert. In Kürze solle es zu einem Termin vor Ort in Weiz kommen. Man würde mich noch anrufen.

Die Spedition lieferte am Nachmittag meine neun Kartons an. Leider funktionierte mein Computer nicht mehr.

Samstag/Sonntag, 6./7. August 2005:

Karin und ich erledigten heute Einkäufe beim »Aldi«-Markt, der in Österreich »Hofer« heisst. Zusammen fuhren wir zu ihrem Bekannten Christian, der meinen Computer wieder zum Laufen brachte.

Montag, 8. August 2005:

In der »Kleinen Zeitung« standen einige Callcenter-Angebote. Dahinter verbarg sich die Zeitarbeitsfirma »Manpower«. Dorthin fuhr ich jetzt. Aber offensichtlich gibt es mehrere »Manpower«-Firmen, die in gegenseitiger Konkurrenz stehen, einen ähnlich klingenden Namen haben (»Manpower Austria«), ein ähnliches Logo besitzen, nichts miteinander zu tun haben wollen und sich gegenseitig verklagen. Das erschien mir alles recht wirr und unseriös. Ich ließ es vorerst bleiben.

Ich rief Frau Dr. Jammernegg-Krobath im Tierheim »Arche Noah« an. Auch heute sei Herr Oster nicht da. Wieder wurde ich vertröstet: Ich solle morgen noch einmal anrufen. Das würde ich aber ganz sicher nicht mehr tun.

Karin drängte auf eine gemeinsame Wohnung. Das ging mir etwas zu schnell, aber trotzdem erschien es mir besser, als allein zu leben. Wir schauten uns am Nachmittag ein Haus in Gleisdorf an (von wo es auch nicht so weit nach Weiz gewesen wäre). Das Haus war gross, aber alt. Karin misstraute dem Vermieter und dem Vertragsinhalt. Also ließen wir es bleiben. Schade. Gleisdorf gefiel mir besser als das viel zu große Graz.

Dienstag, 9. August 2005:

Ich besorgte mir heute ein Monatsticket, um in Graz Bus und Straßenbahn unbegrenzt nutzen zu können.

Ich war erstmals richtig frustriert, weil so vieles nicht klappen will. In den Zeitungen wimmelt es nur so von unseriösen Stellenanzeigen (Zeitarbeit, Callcenter, Heimarbeit, € 2.000 in sechs Stunden verdienen etc.).

In Graz und in der gesamten Steiermark herrscht Wahlkampf. In den Boulevard-Zeitungen wimmelt es nur so von aggressiv-rassistischen Beiträgen und Leserbriefen, in denen Ausländer (auch Deutsche) die österreichische Ordnung angeblich massiv bedrohen.

Mittwoch, 10. August 2005:

Heute lernte ich meinen Vermieter, Herrn Alexander Wonisch, kennen. Neugieriger Mann! Einen Mietvertrag bekam ich nicht. Dafür aber die notwendige Unterschrift für das Meldeamt.

Donnerstag, 11. August 2005:

Menschlich eiskaltes Klima auf den Fluren des Sozialamtes in Graz (Schmiedgasse)

Heute folgte die Grazer Behörden-Odyssee, Teil 2: Im Meldeamt konnte ich mich anmelden. Von der Gebietskrankenkasse bekam ich die Sozialversicherungsnummer (aber ohne krankenversichert zu sein) und beim Arbeitsamt (»AMS«) konnte ich mich arbeitssuchend melden. Ohne das notwendige Dokument »E301«, das ich in Dublin beantragt hatte, würde ich in Österreich jedoch keinerlei Anspruch auf finanzielle Unterstützung haben. Die Bearbeitung kann in Dublin 2-3 Monate dauern. Zudem bräuchte ich mindestens einen Tag versicherungspflichtige Arbeit in Österreich. Davon war, als ich noch in Irland lebte, keine Rede. Aber es kam noch schlimmer: Beim Sozialamt (Foto) in der Schmiedgasse bekam ich von Sachbearbeiter Metin Okyay die ernüchternde Mitteilung, dass ich keinerlei Ansprüche auf Sozialhilfe oder Wohngeld habe. Für drei Monate werde ich in Graz nur als Tourist angesehen und müsse mir bis dahin selber helfen. Indirekt meinte er: Notfalls müsse ich verhungern. Wie schlimm die Bürokratie in Österreich wütet, wurde deutlich, als ich meine irischen Arbeitsverträge und sämtlichen Gehaltsabrechnungen vorlegen wollte, die ja auch meine dortige Tätigkeit bestätigen. Nein, es dürfe nur das Dokument »E301« sein.

Freitag, 12. August 2005:

Karin telefonierte heute mit dem Ombudsmann der »Kleinen Zeitung«, der sich schlau machen wollte, was man in meiner Situation tun könne.

Auf meine unzähligen Bewerbungen bekomme ich kaum eine Antwort. Es wird hier offensichtlich nicht für nötig gehalten, eine Absage zu schreiben. Die einzigen Firmen, die antworten, sind traditionell die Callcenter, die aufgrund der hohen Fluktuation laufend Mitarbeiter für ihre oft unseriöse Arbeit suchen. So hatte ich heute ein Gespräch im Callcentre »Tel 'n' Sell« in der Herrgottwiesgasse. Man teilte mir mit, dass ich am 30. August anfangen und für die Firma »Quelle« Inbound-Gespräche annehmen könne.

Beim Arbeitsamt (»AMS«) gab ich heute meinen ausgefüllten Antrag auf Arbeitslosenunterstützung ab, der aber erst bearbeitet werden kann, wenn das Dokument »E301« vorliegt und ich in Österreich einen Tag sozialversichert gearbeitet habe.

Samstag, 13. August 2005:

Den heutigen Tag verbrachte ich mit Karin und Hund Benny in Graz-Gösting. Abends waren wir im Kino. Benny ist der Hund meines Vermieters, der das zauberhafte Tier jedoch nicht will und es möglichst bald loswerden möchte.

Sonntag, 14. August 2005:

Als ob ich nicht schon genug Probleme hätte, begann jetzt auch Karin zu zicken. Was der Grund sei, warum ich mit ihr keine »richtige« Beziehung wolle, ob ich sie so häßlich finden würde etc. Ich war frustriert und blieb den ganzen Tag im Bett.

Montag, 15. August 2005:

Heute war in Österreich katholischer Feiertag (Mariä Himmelfahrt). Konnte von daher nicht viel erledigen. Die Behörden hatten geschlossen. Abends traf ich mich mit Karin, die wieder mal alles nicht so gemeint hat. Wir gingen ins Kino.

Dienstag, 16. August 2005:

Über Nacht war Karin krank geworden (schwere Erkältung mit Fieber). Sie hatte mich in den frühen Morgenstunden versucht, per Handy zu erreichen, doch das war abgestellt. So bekam ich ihre Nachricht erst, als es zu spät war. Denn sie wollte mich heute nach Weiz zu dem zweiten Vorstellungsgespräch von »ISS« fahren. Mit Bus und Bahn konnte ich es jetzt bis zum Termin um 8:00 Uhr nicht mehr schaffen. Mußte mich von Frau Antowitzer (»ISS«) dann belehren lassen, dass es »so aber nicht geht«.

Mittwoch, 17. August 2005:

Jetzt hatte ich ein weiteres Problem, denn wenn ich Karin jetzt sehen würde, bestand die Möglichkeit, mich bei ihr anzustecken, was ich mir in meiner jetzigen Situation aber auf keinen Fall leisten konnte. Leider hatte sie dafür kein Verständnis. Karins Kinder (12 und 10 Jahre) fuhren heute für zehn Tage in ein Schachcamp.

Ich hatte heute ein Vorstellungsgespräch in einem weiteren Callcenter. Das Callcenter »DCT« in der Reininghausstrasse (nur wenige Minuten Fussweg von mir entfernt) hatte mich eingeladen. In österreichischen Callcenters gibt es nur sogenannte »freie« Verträge. Das bedeutet, dass man die Abzüge direkt mit dem Finanzamt verrechnen müsse. Ein weiteres Problem: Ich wäre nicht arbeitslosenversichert, was aber so wichtig wäre, um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben, falls man seinen Job verliert. Der Gipfel der Unseriösität ist jedoch, dass die Schulung vom Callcenter nicht bezahlt wird. Noch extremer: Man wolle sich erst während der Schulung ein Bild davon machen, ob man geeignet ist oder nicht. Bei »DCT« handelt es sich um klassisches Belästigen von Privatleuten (Andrehen von Produkten, die niemand braucht, z. B. Kosmetika und Lotterielose).

Metin Okyay vom Sozialamt der Stadt Graz bestätigte mir heute schriftlich, dass ich keinerlei finanzielle Unterstützung bekomme.

Donnerstag, 18. August 2005:

Ich war so deprimiert und lag fast den ganzen Tag im Bett. Ich mühte mich ab und hatte nicht den minimalsten Erfolg.
Karin ging es immer noch nicht gut; sie bombardierte mich mit unzähligen SMSs.

Freitag, 19. August 2005:

Auch heute kam ich nicht aus den Federn. Dachte permanent an einen weiteren Suizidversuch. Nach der schmerzhaften Trennung von meiner letzten Freundin (2002) und dem Verlust der Wohnung, ihrer zwei Kinder und unserem Hund, litt ich an Depressionen. Damals hatte ich restlos alles verloren. Mein Geld neigte sich dramatisch zur Neige. Ich kam mir so hilflos vor und bekam zunehmend Wut auf die Grazer Bürokraten, die einen wirklich verhungern lassen würden.

Samstag, 20. August 2005:

Ich liebe Hunde so und Benny war ein ganz besonders liebenswerter Wuschel. Er tat mir so leid, weil sich Herrchen und Frauchen scheinbar nur wenig um ihn kümmerten. Er musste wohl die ganze Nacht draußen bleiben, zumindest hörte ich ihn dort oft winseln. Vermieter Wonisch war stets froh, ihn mir zu geben. Allerdings würde ich ihn nicht ganz zu mir nehmen können, denn ich würde entweder kein Geld haben, um einen Hund zu finanzieren oder ich müsste ihn stundenlang allein lassen, wenn ich arbeiten müßte. Aber mir ging es immer deutlich besser, wenn ich diesen lieben Hund um mich hatte. Das Herz krampfte sich mir zusammen, weil ich an meine geliebte Lady denken musste. Als ich am 1. August 2002 die Wohnung, wo ich mit meiner Freundin, den Kindern und dem Hund lebte, für immer verließ, spürte Lady das und kam nicht unter dem Tisch hervor. Ihr treuer Blick, wie sie mich so traurig ansah, verfolgt mich bis zu heutigen Tag. - Zusammen mit Benny besuchte ich heute Karin, der es immer noch recht schlecht ging. In der Nacht begannen sintflutartige Regenfälle. Karin mochte Benny auch sehr. Ich ließ ihn über Nacht bei ihr und sie schickte mir im Laufe des Abends begeisterte SMSs. Ihre beiden Söhne wollten angeblich immer schon einen Hund haben. Ich habe in der letzten Woche von dieser Begeisterung aber wenig gespürt. Benny (2 ½) wäre unbestritten der ideale Familienhund.

Graz-Gösting, Thalstrasse
Karin wohnt in der Thalstrasse in Graz-Gösting. Rechts fliesst das scheinbar harmlose Bächlein, das sich im August 2005 zu einem reissenden Strom entwickelt hatte. Nur wenige Meter neben diesem Haus und nur wenige Wochen vorher wurden in der Tiefkühltruhe eines Mietshauses die gefrorenen Leichen von zwei Neugeborenen entdeckt sowie zwei weitere, in Kübel einbetonierte Babyleichen. Ein 5. toter Säugling wurde nie gefunden. Der Fall machte weltweit Schlagzeilen.

Sonntag, 21. August 2005:

Der Regen nahm an Heftigkeit immer mehr zu. Karin und Benny holten mich am Morgen vom Jakominiplatz ab. Ich frühstückte bei ihr in Gösting (Foto oben). Sie gestand mir, dass ihr Vater, fanatischer »Zeuge Jehovas«, der im Erdgeschoß wohnt und Besitzer des Hauses ist, einen Tobsuchtsanfall bekommen hat und verlangte, dass der Hund sofort das Haus verlassen müsse.

Ich hatte Benny in den letzten Wochen schon einige Male mit zu Karin genommen, doch mir gegenüber traute sich ihr Vater nichts zu sagen. Karin war ihrem über 70 Jahre alten Vater absolut hörig.

Hochwasserkatastrophe in Graz am 21. August 2005Der kleine Bach, der vor dem Haus floss, nahm die Ausmaße eines reissenden Stromes an. Im Nu war er über das Ufer getreten. Erst recht als sich am nahen Berg eine Mure löste und zusätzliches Wasser in den Bach fließen ließ. Die Feuerwehr kam und verteilte Sandsäcke. Erst dann beruhigte sich die Situation.

Abends brachten wir Vermieter Wonisch seinen Hund zurück. Erwartungsgemäß bot er uns an, den Hund für immer zu uns zu nehmen. Doch Benny hat nie wieder das Haus in Gösting betreten dürfen ...

Montag, 22. August 2005:

In der Post fand ich einen Brief aus Dublin. War das etwa schon das Dokument »E301«? Nach weniger als einem Monat? War es nicht. Es war lediglich eine Bestätigung, dass mein Antrag eingegangen ist. Mehr nicht.

Dienstag, 23. August 2005:

Heute und morgen wollten wir eigentlich zu meinem Freund Hans-Henning Born nach Bad Grönenbach (Bayern) fahren. Auf seinem Dachboden lagern ja noch über 15 Kartons von mir. Die hätte ich ja jetzt abholen können. Vor allen Dingen sind meine Arbeitszeugnisse noch dort, die ich in Irland nicht brauchte, die ich hier in Österreich aber dringend benötigen würde. Kurzum: Die Fahrt fand nicht statt. Karin traute sich die Fahrt mit ihrem alten Auto nicht mehr zu, was ich auch verstehen konnte. Ihr Bruder brauchte sein Auto selbst, denn er war diese Woche im Urlaub und einen Mietwagen auszuleihen, konnte ich mir nicht leisten. Schade: Ich hätte Hans-Henning gern wiedergesehen. Vielleicht hätte er ja eine Idee gehabt, meine fatale Situation zu verbessern. Der Termin war auch schon deshalb gut, weil sich Karins Kinder beide immer noch im Schachcamp befanden.

Statt nach Bad Grönenbach zu fahren, lag ich fast den ganzen Tag frustriert im Bett. Auch Karin hat immer weniger Zeit für mich. Sie sieht auch, in welch dramatischer Situation ich mich befinde und kann offensichtlich keinen Ausweg erkennen. Es gab zahlreiche Indizien, dass ihr Vater ihr nicht nur den Hund in »seinem Haus« verbot, sondern das auch für mich galt.

Mittwoch, 24. August 2005:

Karin hatte gestern noch mit dem Ombudsmann der »Kleinen Zeitung« gesprochen. Der meinte, ich solle den ablehnenden Bescheid des Sozialamtes, den ich am 17. August bekommen hätte, unbedingt dem Arbeitsamt vorlegen. Man würde mich dort heute zwischen 8:00 Uhr und 12:00 Uhr erwarten. Die Wahrheit war: Niemand erwartete mich dort. Die zuständige »AMS«-Sachbearbeiterin schaute mich an, als ob ich von einem anderen Planeten käme. Mit dem Brief könne sie rein gar nichts anfangen. Ich hätte erst einen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung, wenn ich das Dokument »E301« vorlegen könne und einen Tag versicherungspflichtig in Österreich gearbeitet habe.

Ich schrieb eine Berufung (Einspruch) an das Sozialamt der Stadt Graz. Ich war ziemlich sicher, dass das absolut nichts nützen würde. Bis auf eine Antwort sollten noch viele Wochen vergehen und welch fürchterliche Tage hinter mir lagen, als ich letztendlich eine Antwort bekam, konnte ich heute nicht mal erahnen.

Karin hatte nachts offensichtlich einen Kreislaufkollaps erlitten. Sie war nach ihrer Erkältung eindeutig zu früh wieder aufgestanden. Sicher belastete sie auch meine Situation und der Druck ihres Vaters nicht unerheblich. Das merkte ich daran, dass sie mich nicht in die Wohnung ließ, als ich sie nach der Nachricht besuchen wollte. Später erklärte sie mir, dass sie es nicht wollte, dass ich sie in dieser Verfassung so sehe. Aber das war eine Lüge, wie sich erst später heraus stellte: Ihr Vater verbot ihr, mich ins Haus zu lassen.

Nichts als schlechte Nachrichten! Tag für Tag. Mein Lebenswille sinkt von Minute zu Minute.

Donnerstag, 25. August 2005:

Heute bekam ich einen Anruf vom Callcentre »Tel 'n' Sell« (siehe 12. August). Von der angenehmen »Quelle«-Inbound-Kampagne war keine Rede mehr. Ich solle mich jetzt mit der Kampagne von »Premiere Win« beschäftigen, was einer Arbeitszeit von 16:00 Uhr bis Mitternacht entsprechen würde. Wann diese Aktion beginnen wird, wüßte man allerdings noch nicht. Garantiert nicht am 30. August, wie zuerst besprochen. Ich könne allerdings vorbeikommen, und mir das Manuskript abholen. Die 57 DIN-A-4-Seiten solle ich möglichst auswendig lernen - sie ersetzten die Schulung. Unglaublich!

Karin ging es wieder besser. Wir fuhren am Abend an den Schwarzlsee in Unterpremstetten.

Freitag, 26. August 2005:

Karin holte ihre Kinder vom Hauptbahnhof ab. Sie kamen von ihrem Schachcamp zurück.

Samstag, 27. August 2005:

Mir ging es zunehmend schlechter. Ich lag nur noch im Bett und war all die schlechten Nachrichten so leid. Ich ließ Karin wissen, dass ich nicht mehr weiter wüßte. Das Geld wird von Tag zu Tag weniger. Sie rief dann -ohne mein Wissen- die WEIL-Telefonnummer an, eine Notrufnummer für suizidgefährdete Jugendliche und Kinder. Altersmässig gehörte ich dieser Gruppe sicher nicht mehr an. Ein gewisser Rolf Crüsemann (68), ein Deutscher aus Nordrhein-Westfalen, der seit längerer Zeit in Graz lebt, rief mich an. Er sei zwar nur ein Laie, bot mir aber ein Gespräch morgen Nachmittag an.

Sonntag, 28. August 2005:

Wahrzeichen von Graz: Der Uhrturm auf dem Schlossberg. Hier traf ich mich mit Rolf Crüsemann

Mit Rolf traf ich mich um 17:00 Uhr auf dem Schlossberg unterhalb des Uhrturms (Foto). Er hatte eine Stunde Zeit. So lange brauchte ich allein, um ihm meine Geschichte zu erzählen. Er war sehr nett, wußte aber auch keinen Rat. Allerdings schlug er vor, einen Psychologentermin in dieser WEIL-Klinik (Klinik für Therapie) zu arrangieren, die sich in der Hilmgasse befand.

Montag, 29. August 2005:

In dieser Klinik rief ich am Morgen an. Niemand nahm ab, ich hinterließ eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, doch zunächst rief niemand zurück. Das alte Spiel.

Heute sollte die Schulung im Callcenter »DCT« beginnen (siehe 17. August). Ich stand dort pünktlich um 9:00 Uhr auf der Matte, obwohl es mir so schlecht ging und ich überhaupt keine Ambitionen mehr hatte. Lapidar wurde mir mitgeteilt, dass der Schulungsleiter sich einen Nerv eingeklemmt hätte und sich eben krank gemeldet hätte. Die Schulung würde heute ausfallen und dafür morgen stattfinden - sofern er dann wieder fit sein sollte. Genaueres wüßte man noch nicht.

Karin lief heute Amok per SMS. Sie schien mit den Nerven vollkommen am Ende. Ich hatte ihr vorgeschlagen, dass wir uns vorerst nicht mehr sehen sollten. Der Samstag hätte mir gezeigt, dass meine prekäre Situation zu viel für sie sei. Ich wolle sie damit nicht weiter belasten, zumal ich innerlich mit dem Leben abgeschlossen habe (was ich ihr aber nicht sagte; sie aber möglicherweise ahnte).

In unzähligen SMSs warf sie mir vor, was sie alles für mich getan hätte und was das alles gekostet hätte. Besonders dieser Vorwurf schmerzte und verletzte mich mehr als alles andere; warf sie mir damit doch indirekt vor, ein Schmarotzer zu sein. Zudem musste ich sie immer wieder ermahnen, mich nicht mit Dingen zu überraschen, die zwar nett gemeint sind, aber letztendlich nur Geld kosten und meine Lage nicht verbessern. Jetzt bekam ich die Geschenke, die ich nicht wollte, um die Ohren gehauen.

Dienstag, 30. August 2005:

Vollkommen überraschend hatte ich am Wochenende eine E-Mail von Dr. Jammernegg-Krobath (Tierheim »Arche Noah«) erhalten. Sie bedauerte, dass es so lange gedauert habe, aber sie könne mir jetzt ein Vorstellungsgespräch am heutigen Tag anbieten. Ich verzichtete auf die Teilnehme an der »DCT«-Schulung (siehe gestern) und fuhr stattdessen mit Bus Nr. 62 in den Banngrabenweg. Von dort war es nicht mehr weit bis zum Tierheim. Der Termin war für 10:30 Uhr anberaumt. Aber was ich dann erlebte, schlug wirklich dem Fass den Boden aus. Ich war um 10:22 Uhr im Tierheim und um 10:28 Uhr wieder draußen. Mir wurde von Dr. Jammernegg-Krobath und Herrn Oster lapidar mitgeteilt, dass ich für den Job nicht geeignet sei, weil man hierfür ein großes Hintergrundwissen haben müsse, was den Tierschutz betrifft. Die Frage ist: Warum haben die mich dann erst kommen lassen, zumal ich beiden gegenüber betonte, dass ich heute noch ein weiteres Vorstellungsgespräch hätte (die Schulung bei »DCT«) und von daher vorab wissen müsste, ob das Gespräch auch wirklich standfinden wird. Hätte man mir diese Information nicht auch per Telefon, Brief oder E-Mail geben können? Beide erklärten mir, dass Karin dort wiederholt angerufen hätte und sich erkundigt hätte, was denn nun sei. Später hat Karin jedoch bestritten, dort wiederholt angerufen zu haben. Nur einmal, sagte sie. Aber auch davon hatte sie mir nichts gesagt. Mit Anzug und Krawatte kam ich mir heute nicht zum ersten Mal wie der allerletzte Volltrottel vor. Nach nur sechs Minuten fuhr ich mit dem Bus zurück. Schon in Irland hatte ich regen E-Mail-Verkehr mit Dr. Jammernegg-Krobath; mein Lebenslauf war ihr bekannt. Warum konnte sie mir die Mitteilung nicht eher geben? Hier ihre E-Mails.

An meiner Wohnungstür flatterte indes ein Zettel. Der war vom Stromableser. Der drohte, dass mir am 2. September der Strom abgeschaltet werden würde, wenn ich nicht sofort einen Vertrag bei »Energie Graz« unterschreiben würde. Allein dieser unverschämte Ton! Wäre es nicht normal, einen neuen Kunden zunächst höflich anzuschreiben und ihm mitzuteilen, was er tun müsse und wo? Was wäre gewesen, wenn der Wind diesen Zettel davongeweht hätte? Dann wäre mir der Strom ohne weitere Vorwarnung abgestellt worden.

Als folgsamer Neubürger fuhr ich dann in den Schönaugürtel, wo sich »Energie Graz« befand. Natürlich wußte niemand, in welches Zimmer ich mußte. Ich war sicher nicht der erste Neukunde. Schließlich hatte ich dann noch Erfolg und die unhöfliche Frau Herrmann belehrte mich, wie man was zu machen hätte. Der Vertrag wurde aufgesetzt.

Mittwoch, 31. August 2005:

In der Presse fielen mir jetzt zahlreiche Berichte und Leserbriefe auf, die sich mit dem Tierheim »Arche Noah« und seinem dominanten (!) Präsidenten Oster beschäftigten. Laut Presseartikel ist dieser Mann wohl heftig umstritten und offensichtlich bei Personal und Mitgliedern alles andere als beliebt. Vielleicht hatte ich ja im nachhinein doch Glück, dass dieser Stab an mir vorüber ging.

Hier wohne ich: In der Reininghausstr. 50 - mit Nachtclub im HausNach langer Zeit sah ich heute mal wieder meinen Vermieter Wonisch. Er hat neben seiner Wohnung hier jetzt auch noch eine luxuriöse Nobelwohnung an der sogenannten »Copacabana«, einer kitschigen Nachbildung der weltbekannten brasilianischen Beach in der Nähe des Grazer Flughafens.
Nach einem Monat, den ich jetzt hier in der Wohnung lebe, sind mir zahlreiche Dinge aufgefallen, die kaputt sind oder nicht funktionieren. Diese habe ich dem Vermieter schriftlich aufgelistet:
Dusche und die beiden Wasserhähne (Bad und Küche) tropfen extrem.
Teilweise ist das Wasser braun-gelb, wenn ich den Hahn aufdrehe. Zudem spritzt das Wasser oft explosionsartig heraus, so dass ich auf die Dusche verzichten kann.
Die Waschmaschine ist alt - der Programmknopf muss manuell vorgestellt werden, sonst hört sie nicht mehr auf zu waschen.
Ein Tischbein ist so locker, dass mir fast der ganze Tisch umgefallen wäre. Der Fernseher hat nie funktioniert.
Auch die WC-Spülung stoppt oft nicht mehr von allein, so dass das Wasser endlos läuft. Das Wohnzimmerfenster kann nicht gekippt werden.
Mit am schlimmsten ist jedoch der Nachtclub (Puff), der sich mit im Haus befindet. Nicht immer, aber immer öfter, dröhnen die Bässe der Musikanlage derart laut, dass die Gläser und Tassen in den Schränken klirren. Erst später stellte ich fest, dass die Musik von meinem Nachbarn unter mir kam.

»Ist halt ein Altbau«, war der einzige Kommentar, der von Vermieter Alex Wonisch kam. Er reparierte das Wohnzimmerfenster und schraubte den Wasserhahn auf und wieder zu. Jetzt tropfte es noch heftiger als vorher. »Ja«, so Wonisch, »die Reparaturen würden halt viel Geld kosten«. Er rechnete mir vor, was Handwerker pro Stunde so nun nehmen gedenken. Damit war das Thema für ihn abgeschlossen und verabschiedete sich in Richtung »Copacabana«...

Weiter zum September 2005 Prüft nach, ob es sich wirklich um einen Suizid handelt oder ob er insziniert wurde

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