Inhalt:
I. Ankunft in Graz
II. Erste Schikanen der Grazer Behörden
III. Drohende Eskalation
IV. Erschreckende Erlebnisse in der »Sigmund Freund«-Klinik
V. Wer ist der dicke Mann? (diese Seite ist aufgerufen)
VI. Neuer Suizidversuch
VII. Vertuschung und Abstrafung
VIII. Richtung Winter
IX. Mangelndes Vertrauen
Bilder meiner Wohnung
Schauerliches aus der österreichischen Presse
Vergleich Österreich vs. Irland
Stimmen der Leser Fragen & Antworten
E-Mails an Politiker, Medien & Hilfsorganisationen
Auf dieser Seite:
Sozialamt
Meine Wohnung
Karin
Job
Beratungszentrum Granatengasse/Selbsthilfegruppe
Wohnplattform
Ombudsfrau Renate Skledar
Die Qualitätsbeauftragte
Die Willkür der Behörden
Fehlendes Glück, das Alleinsein und offene Fragen
ZARA
Intermezzo I: Die Einheimischen
Intermezzo II: Wie Psychiatrien arbeiten
Auf dieser Seite erfahren wir, wer der »dicke Mann« ist ...
Sozialamt
Bis wenige Tage vor Weihnachten 2005 hat es gedauert, bis ich die Ende November zugesagte Sozialunterstützung dann letztendlich bekommen habe. Ohne Schikane ging es auch hier nicht: Zweimal ließ mich Sachbearbeiterin Annemarie Kapeller fünf Stunden(!) in dem verraucht-stinkigen Flur ausharren (inzwischen herrscht Rauchverbot). Der Grund, warum ich so lange auf das Geld warten mußte: Ich hätte die Möglichkeit gehabt, bis Januar 2006 Einspruch gegen diesen Bescheid erheben zu können. Doch niemand hat mir diese Fristen mitgeteilt. Sie werden auch in dem Bescheid überhaupt nicht erwähnt. Diese Leute haben überhaupt kein Gefühl, wie dringend ich dieses Geld benötigte.
 Alle Sozialamt-Mitarbeiter machten einen gefühlskalten Eindruck ohne Funken Hilfsbereitschaft. Sie sind frustriert und konsequent gegen Ausländer eingestellt. Jeder Antragsteller wird als Bittsteller/Schmarotzer von oben herab in einer kaum für möglich gehaltenen Arroganz behandelt. Das Sozialamt will es den Menschen so kompliziert wie möglich machen, Hilfe zu erhalten. Man will Menschen mit diesem eiskalten Benehmen abschrecken, um so letztendlich Geld zu sparen. Diese Mitarbeiter nutzen es auch erbarmungslos aus, wenn jemand allein vor ihnen steht, wenn sie wissen, dass sich der Antragsteller mit dem Recht nicht ausreichend auskennt und sich natürlich keinerlei Anwalt leisten kann. Man muss davon ausgehen, dass die Menschen hier extrem ungerecht und sicher nicht alle gleich behandelt werden, wie es das Gesetz eigentlich verlangt. Ich hatte mich immer gewundert, warum ein Pulk von Menschen ins Zimmer geht, wenn die nächste Nummer aufgerufen wird. Weil die Nicht-Österreicher nicht ohne Beistand/Zeugen vor den Sachbearbeiter treten. Allein bist du da drin -erst recht als Ausländer- verraten und verkauft.
In der »Kleinen Zeitung« las ich den Bericht eines Langzeit-Arbeitslosen in Graz. Ich zitiere: »Sein Dilemma: Zum Arbeiten ist er mit 52 Jahren zu alt, für die Pension zu jung. 'Erst 2014 kann ich in Pension gehen', erklärt er. Wie es bis dahin weitergehen soll, steht in den Sternen. Im Moment kommt er mit € 900 Notstandshilfe über die Runden. Mehr schlecht als recht, aber es reicht zum Überleben. 'Ich lebe bescheiden. Miete und Auto, da bleibt nicht mehr viel übrig'«.
Spätestens jetzt wußte ich, dass etwas nicht stimmt. Der Mann bekommt € 900 vom Sozialamt und kann sich weiterhin ein Auto leisten! Ich arbeite, bekomme monatlich aber nur € 716,40 und keinerlei Zuschuss von wem auch immer! Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu.
Meine Wohnung
 Niemand half, mir die Funktion des Ölofens in der Wohnung zu erklären. Abermals kümmerte sich Vermieter Alex Wonisch (Foto unten) um nichts. Während er mein Mietgeld u.a. für ein teures Autokennzeichen mit seinem Vornamen ausgab, erklärte er mir konsequent, dass man sich Handwerker heute nicht mehr leisten könne. Während die Österreicher alle Ausländer als Schmarotzer ansehen, erlebe ich es genau anders herum: Wonisch kassiert zu 100 % die Miete und kümmert sich ansonsten nicht um den Zustand der Wohnungen, lässt die Mieter in ihrer Not allein, während er sich auf seinem Boot sonnt. Ich half mir zunächst mit Heizlüftern aus, die allerdings nur für eine minimale Wärme sorgten - aber immer noch besser, als gar nichts.
Doch dann passierte es: Am 5. Dezember 2005, als es am dunkelsten und kältesten war, flogen alle Sicherungen raus. Von einer Sekunde zur anderen stand ich ohne Strom da. Half Wonisch jetzt? Nein! Er war entweder in seiner Copacabana-Wohnung oder auf seinem Boot in Kroatien - und blieb auch dort. Ich könne ja die Grazer Stadtwerke anrufen. Das tat ich dann auch. Von Sekunde zu Sekunde wurde es immer kälter in der ohnehin nicht warmen Wohnung. Der Sicherungskasten -man muss sich das einmal vorstellen!- befand sich vor der Wohnung und war - verschlossen (Foto oben)! Zugang haben nur die Stadtwerke-Mitarbeiter, die sich so ein Zubrot verdienen: € 25 für jeden Callout. Das Problem war damit aber noch lange nicht behoben, denn der Stadtwerke-Mann wußte nur zu genau, wie vollkommen marode die Stromleitungen in dieser Wohnung waren. Wonisch hat jahrelang alles verkommen lassen; die Stromleitungen hätten längst erneuert werden müssen und sind als gefährlich zu betrachten! Von jetzt an wurde jedes Einschalten des Heizlüfters zur Angst-Tortur. Bis zum 26. Dezember 2005, dem zweiten Weihnachtstag, ging alles gut. Ich hatte ohnehin nur noch einen Heizlüfter (statt zwei) in Betrieb, was die Wohnung noch kälter machte. Die Außenwände waren klatschnass und fingen massiv zu schimmeln an.
Logische Folge: Heiligabend 2005 wurde ich krank. Unangenehmer, starker Husten, leichter Schnupfen und hohes Fieber und Schüttelfrost bis fast 40 C. Mein Kopf drohte bei den Hustenattacken zu zerplatzen. Unter diesen Bedingungen flog die Sicherung buchstäblich ein weiteres Mal heraus. Der Stadtwerke-Notdienst kam erneut, wechselte die Sicherungen aus und berechnete mir wieder € 25. Vermieter Wonisch tat erneut nichts!
Ich fühlte mich so grässlich einsam. Nicht nur, dass ich Weihnachten vollkommen allein war; es rief auch niemand an. Niemand ging für mich zur Apotheke oder half mir mit den Einkäufen. Ich flehte meinen Vater an, mir zu helfen, doch der stellte nur die Gegenfrage »Wie soll ich dir von Norddeutschland aus helfen?«
Was ich in der Wohnung auch anfasste: Alles war feucht. Lediglich in der Küche war alles o.k. Besonders schlimm war der Schimmel im Bad. Die Außenwände waren triefend nass; der Spülkasten der Toilette war voller Tropfen - Kondenswasser! Auf dem Fensterbrett des Wohn-/Schlafzimmers sammelte sich weiteres Wasser! Bücher und Papiere wurden mit der Zeit klamm. Die Oberfläche meiner Bettdecke war kalt! Dick angezogen musste ich schlafen.
Ich flehte Karin per Brief auf allen Vieren an, mir mit dem Ölofen zu helfen. Doch das tat sie nicht. Sie organisierte allerdings, dass mir der Wonisch-Sohn (ausgerechnet!) Öl lieferte und mir schließlich am 27. Dezember 2005 den Ölofen erklärte. Von jetzt an besserte sich die Situation, denn der Ofen sorgte zügig für wohlige Wärme. Aber das Öl hatte seinen Preis - und der Winter wurde immer noch kälter und kälter. Im Januar/Februar 2006 hatten wir teilweise unter - 20 C bei Nacht und nur - 10 C am Tage. Unvorstellbar! Es gab nicht einen einzigen milden Tag zwischendurch. Nur mit den Schneefällen hatten wir in Graz Glück, denn die hielten sich in Grenzen. In anderen Teilen Österreichs wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Hausdächer stürzten unter der Schneelast reihenweise ein. Erst Mitte März 2006 endete die Kälte. Praktisch ohne Übergang war dann der Frühling da.
Die maroden Stromleitungen und der Schimmel waren ja nicht das einzige Problem in dieser Wohnung: Aus dem Wasserhahn im Bad kommt kaum noch Wasser, es tröpfelt nur noch. Und da ist ja dann immer noch der nervige Mitbewohner, Erwin, der direkt unter mir wohnt und nicht die allergeringste Rücksicht nimmt: Er dreht seine Musik auf volle Lautstärke - auch wenn es 3:00 Uhr morgens ist. Und im Hochsommer bei schwülheißen Temperaturen spielt er seine Musik bei weit geöffneten Türen und Fenstern. Auch hier unternimmt Vermieter Wonisch nichts. Ach doch: Wonisch schrieb mir einen Brief: Erwin sagte ihm, er spiele keine laute Musik. Aber wenn mir die Wohnung nicht passe, könne ich ja ausziehen.
Übrigens: Einen Mietvertrag hat mir Wonisch auch nach einem Jahr nicht ausgehändigt. Dazu unten mehr.
Karin
 Im ersten halben Jahr 2006 hatte sich Karin (Foto) etwa einmal im Monat bei mir telefonisch gemeldet. Gesehen habe ich sie seit Anfang September 2005 jedoch kein einziges Mal. Wenn sie angerufen hatte, hat sie immer nur gefragt, wie es mir geht. Wenn ich antwortete »schlecht«, war es ihr egal, denn Hilfe oder Unterstützung bot sie bei ihren Anrufen nie an. Wenn ich sie fragte, ob wir uns mal auf einen Kaffee treffen oder mal zusammen ins Kino gehen wollen, antwortete sie immer nur »Nein!« Als ich in der Klinik war, hat sie mich nicht besucht, nicht meinen Briefkasten leeren können und sie konnte mir auch keine Getränke in die Klinik bringen. Sie lehnte alles ab. Als ich sie bei einer Zimmertemperatur von 8,8 C anflehte, mir doch bitte mit dem Ölofen zu helfen, lehnte sie erneut ab. Als ich sie fragte, ob wir uns mal auf einen Adventkaffee treffen wollten, sagte sie »No!«. Als ich sie danach fragte, ob sie mir mal ihren Staubsauger leihen könnte, lehnte sie erneut ab. Von gemeinsamen Weihnachts- oder Silvesterfeiern ganz zu schweigen. Und als ich an Weihnachten ohne Strom, bei großer Kälte vegetierte und auch noch mit hohem Fieber im Bett lag, interessierte sie das nicht.
Als ich noch in Irland war, log sie in fast jeder E-Mail: »Ich werde Dich nie im Stich lassen! Nie! Ich kann so etwas gar nicht!« (siehe erste Seite). Und ich naiver Depp glaubte das. Aber es ist natürlich schon schlimm, wenn man sich hier in Österreich offenbar auf niemanden verlassen kann.
Doch die Frage bleibt: Warum rief sie dann mindestens einmal im Monat an und erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden? Vermutlich aus reiner Neugierde. Wahrscheinlich krümmte sie sich zu Hause vor Lachen. Sie bekommt natürlich auch enormen Druck von ihrer Sekte, den »Zeugen Jehovas«, die ihr diktieren, wen sie wann und wo sehen darf.
Doch Ende Juni 2006 rief sie an und fragte nicht nur, wie es mir gehe. Nein, sie wollte vorbei kommen - um sich ihre DVDs abzuholen, die sie im August 2005 bei mir gelassen hatte. Dafür hatte sie Zeit! Was für ein Mensch! Sie holte ihre DVDs ab und hat sich danach nie wieder gemeldet. Hier in Österreich habe ich wahre Abgründe an Gehässigkeit, Verlogenheit und fehlender Hilfsbereitschaft erlebt.
Job
Auch bei der Jobsuche habe ich keine effiziente Hilfe erfahren. Meine jetzige Beschäftigung habe ich mir allein gesucht. Die Bewerbungsgespräche liefen kurz nach meinem Suizid-Versuch Ende November 2005 und nur wenige Tage nach den scheußlichen Erfahrungen mit Dr. Schwarzl und dem Pflegeteam in der »Freud«-Klinik. Aus meiner eiskalten Wohnung heraus, ging ich zum Vorstellungsgespräch. Obwohl ich alles andere als in einer guten Verfassung war, bekam ich den Job. Das Interview Anfang Dezember 2005 verlief in einer extrem angenehmen Atmosphäre.
Arbeitsbeginn war der 9. Januar 2006. 25 Stunden pro Woche. Einiges deutete daraufhin, dass sich meine soziale Situation bessern könnte, doch das war nur ein Trugschluss. Ich war wieder in einem Callcenter tätig und nach meinen negativen Erfahrungen in dieser Branche war ich hier mehr als positiv überrascht. Aber die Gründe, die den Unterschied ausmachten, lagen auf der Hand:
a.) Es handelte sich um Inbound, d. h. die Kunden wollten etwas von mir (im nervigen Outbound-Geschäft ruft man die Kunden an, die sich dadurch häufig belästigt fühlen);
b.) Die Kunden wurden von der Geschäftsleitung kulant behandelt; ich war also in der Lage, einem unzufriedenen Kunden etwas positives (Preisnachlass, Geschenk etc.) anzubieten, was zu einer augenblicklichen Verbesserung der Atmosphäre führte;
c.) Meine Vorgesetzte hielt sich angenehm zurück. In anderen Callcenters sind umstrittene Feedback-Gespräche nach dem Motto »Du bist nicht gut genug; andere sind besser als du« an der Tagesordnung. Stattdessen war sie bei Fragen ansprech- und hilfsbereit. Das galt auch für meine freundlichen Kollegen;
d.) Nach fünf Arbeitsstunden war man auch nicht 'stimmlich' so ausgelaugt wie in Irland nach acht Callcenter-Stunden. Entsprechende Abstriche musste ich beim Gehalt hinnehmen: Ich verdiente monatlich netto € 716,40 (die Armutsgrenze
liegt in Österreich bei € 900!). Ein ausgleichender Zuschuß wurde von den Behörden bis heute konsequent abgelehnt, was meine Existenz zunehmend gefährdete;
e.) Unbezahlte Überstunden fielen an; meine Vorgesetzte hat, wenn es um Zeitausgleich ging, niemals »nein« zu mir gesagt, was bei mir dafür sagte, dass ich auch immer »ja« sagte, wenn es um Überstunden ging, was aber gar nicht so häufig vorkam.
f.) Die Firma zahlte überpüntlich mein Gehalt; alle Abrechnungen waren stets korrekt. Obwohl es mir fast täglich schlecht ging, fehlte ich nie - und bekam dafür drei Tage Urlaub extra.
In keinem anderen Callcenter habe ich es je länger ausgehalten. Obwohl ich mich aufgrund meiner existenzbedrohenden Lage nie richtig arbeitsfähig fühlte, fehlte ich keinen einzigen Tag. Auch nicht, als ich zeitweise auf Medikamente verzichten musste, weil mir dafür das Geld fehlte.
In der kalten Jahreszeit zu Beginn und Ende des Jahres bot mir der Arbeitsplatz die wichtige Möglichkeit, mich aufzuwärmen. Es waren häufig meine einzig sozialen Kontakte. Sprach ich hier fünf Stunden am Fließband; redete ich nach der Arbeit oft kein einziges Wort mehr, weil ich einfach niemanden hatte. Ich kam täglich bis zu einer Stunde früher. Meiner Vorgesetzten sagte ich, die Busse fahren nicht anders - aber das stimmte nicht. Die Wahrheit war: Ich war eine Stunde weniger allein. Lügen musste ich auch an meinem Geburtstag: Es ist üblich, eine Pflanze geschenkt zu bekommen. Ich log, dass ich von Pflanzen nichts verstehe (obwohl ich sie so gern habe, besonders Kakteen); aber sie wären in meiner vollkommen verschimmelten Wohnung sofort eingegangen. Stattdessen wünschte ich mir Süßigkeiten (um was im Magen zu haben). Im Gegenzug musste ich Frühstück für alle Kollegen ausgeben, was mir grossen finanziellen Kummer bereitete. Aber ich ließ mir nichts anmerken.
Mein zunächst bis Ostern 2006 befristeter Vertrag wurde zweimal verlängert, was keine Selbstverständlichkeit war: Einmal Anfang April (Verlängerung bis Mitte Dezember 2006). Dann bekam ich sogar einen unbefristeten Vertrag, was aber makaber war, denn trotz dieser guten Nachricht stand mittlerweile fest, dass ich ohne Zuschuß für Heizkosten kaum über den Winter kommen würde.
Ich bekam die E-Card von der Gebietskrankenkasse. Ich erkannte schnell, dass sich die finanziellen Belastungen nicht änderten: Ich hatte in der warmen Jahreszeit Geld für Miete, Strom und Essen. Aber keinen Cent übrig für Unternehmungen, Freundschaften, Hobbies, Kleidung ... Keinen Cent! Ich war zum Vegetieren verdammt: Arbeiten im Callcenter, Essen, Schlafen, Steuern zahlen, Schnauze halten. Auch mit Arbeit hatte ich keinen Funken Lebensqualität mehr. Mit der gewohnten Erbarmungslosigkeit bekam ich von den Ämtern weder Wohngeld noch irgendeinen anderen Zuschuß. Auch die Rezeptgebühren wurden mir zunächst nicht mal teilweise erlassen. Immer war ich angeblich minimal über irgendeinem Limit. Ich wurde behandelt wie ein Gutverdiener!
Bei der Arbeit hatte ich kaum eine Chance Kollegen kennenzulernen, denn bei fünf Stunden Arbeitszeit gab es nur zwei klitzekleine Pausen und in denen war ich auch allein. Und wenn ich mal mit jemanden über meine Wochenend-, Urlaubs- oder Weihnachtspläne sprach, war ich zum Lügen gezwungen. Oder sollte ich denen von meinem Leben im Schimmel erzählen?
Nichts konnte ich mir leisten. Wir hatten einen Traumsommer mit viel Sonne und hohen Temperaturen, aber ich war fast nur in der Wohnung. Ich konnte aufgrund der hohen Eintrittspreise nicht ins Schwimmbad, konnte nicht mal wandern, weil ich das Geld für Schuhe nicht hatte. Zudem wurde ich binnen einer Woche gleich zweimal von einer Zecke gebissen; konnte mir jedoch die Schutzimpfung inkl. Arzthonorar (zusammen etwa € 45) nicht leisten. Ich hatte nicht mal das Geld für Eis oder für ein Radler übrig. Ich konnte mangels Freunden/Bekannten nicht einmal grillen und kam auch nicht zu einem Badesee. Erst Mitte August 2006 lieh mir jemand sein Fahrrad; prompt konnte ich mir die GVB-Fahrkarten sparen. Aber zu Beginn der kalten Jahreszeit musste ich doch wieder auf Bus und Straßenbahn zurückgreifen - zum Radeln war es zu dunkel und kalt.
Im Vergleich zum Vorjahr wurde deutlich, dass es kaum einen Unterschied macht, ob ich nicht versichert und arbeitslos bin oder versichert bin und arbeite. Ich kann mir weiterhin keine Medikamente leisten, bin nicht in der Lage, mir eine andere Wohnung zu suchen, kann keine Kleidung kaufen, keine Volkshochschulkurse besuchen, keinen Hobbies nachgehen und mir kein Heizöl leisten. Selbst wenn ich das Geld für eine neue Wohnung gehabt hätte, fehlte mir das Transportmittel, um den Umzug zu bewältigen. Und natürlich hatte ich auch keine eigenen Möbel und keinen Freundeskreis, der mir hätte helfen können. Es war ein teuflischer Kreislauf.
Was besonders schlimm war: Für eventuelle Notfälle hatte ich keinerlei Rücklagen. Ich vegetierte nur noch sinnlos dahin. Es gab nicht das kleinste Lebensziel! Kein Lichtstreifen am Horizont! Von Tag zu Tag kamen meine Suizidgedanken zurück. Die Situation eskalierte im Dezember 2006 erneut. Dazu mehr auf der nächsten Seite.
Beratungszentrum Granatengasse/Selbsthilfegruppe
Auch das Beratungszentrum in der Granatengasse gehört zur berüchtigten »Sigmund-Freud«-Klinik; ist praktisch eine Aussenstelle. Schreckensarzt Dr. Schwarzl ist praktisch ein Kollege von den Mitarbeitern hier! Trotzdem nahm ich wieder Kontakt mit Psychologe Haider auf und hatte fortan mindestens einen Termin pro Woche bei ihm. Haider habe ich lückenlos alles erzählt, was im November 2005 in der »Freud«-Klinik geschehen ist. Er zeigte sich entsprechend schockiert.
Haider half mir wo es nur irgend ging. Er tat mir mit seiner sympathischen Art gut. Aber ich sagte oft zu ihm: Er könne ja in einer Stunde pro Woche nicht das alles reparieren, was Behörden und andere in dieser Zeit kaputt machten, unternahm jedoch nichts.
Schlimm war, dass ich durch die Arbeitsaufnahme am 9. Januar 2006 nicht mehr zu den Veranstaltungen ins Beratungszentrum habe gehen können (Theatergruppe, Großgruppe, Schwimmen, Kochen, Wandern). Somit entfiel praktisch die einzige Möglichkeit, Bekanntschaften zu schließen.
Josef Haider bot mir dann eine sogenannte »SOWOST«-Wohnung an. Zu einer Besichtigung kam es dann aber erst im Juli 2006. Diese Wohnungen befinden sich in sozialen Wohnungsbauten und sind unterschiedlich ausgestattet, was sich auch auf den Mietpreis niederschlug. In manchen gibt es sogar noch Toiletten auf dem Gang, die man sich mit seinen Nachbarn teilen mußte! Aber die mir angeboten wurde (Schönaugürtel) sei sehr schön, so Haider. Das war sie allerdings nicht, wie sich bei der Besichtigung herausstellte. Der Noch-Bewohner hat sich dort überhaupt nicht wohl gefühlt. Auch er klagte über mörderisch laute Musik aus den Nachbarwohnungen. Es gab auch dort keine Heizung, sondern wieder nur einen Ölofen. Trotz Ofens sollen Küche und Bad im Winter sehr kalt sein. Eine Waschmaschine gab es auch nicht; vielleicht hätte ich aber eine von der »Caritas« bekommen können. Vielleicht! Es befand sich auch keine Tankstelle in der Nähe, wo ich Heizöl hätte besorgen können. Und der jetzige Mieter hat nur einen defekten Kühlschrank - und das bei der Hitze! Der Gestank in der Wohnung war unerträglich. Meine Entscheidung stand schnell fest: Diese Unterkunft wollte ich nicht. Sie war keinen Deut besser als meine jetzige. Es wäre ein klassischer Umzug vom Regen in die Traufe gewesen. In Richtung Winter musste es jetzt einfach eine spürbare (!) Trendwende geben. Diese Wohnung würde nur mein Vegetieren fortsetzen.
Und wie in der Psychiatrie üblich: Nein-Sagen darf man dort nicht! Haider war enttäuscht, dass ich die Wohnung nicht nehmen wollte. Nach diesem gab es nur noch ein weiteres Treffen mit ihm. Ich hatte längst aufgegeben. Und Psychologe Haider gab mich jetzt auf. Na ja, wenige Wochen später, im August 2006, endete sein Vertrag im Beratungszentrum ohnehin. Obwohl er soviel für mich getan hatte, hat er mich letztendlich auch nur zurück gelassen und mir bewußt gemacht, was für eine Belastung ich geworden bin. Etwa ein Jahr sollte es dauern, bis ich bestätigt bekam, was ich vermutet habe. Eine andere »SOWOST«-Wohnung in der Vinzenz-Muchitisch-Straße war deutlich schöner und sauberer. Dazu mehr auf der nächsten Seite.
Zum Schluss sagte ich zu Haider: »Hätte jeder, der dieses Beratungszentrum aufsucht, so viele unlösbare Probleme wie ich, könnte man den Laden dicht machen«. Doch die Frage bleibt: Wieso habe ich soviele Probleme, die man angeblich nicht lösen kann? Was genau habe ich getan? Welche Fehler habe ich begangen, dass es derart schlimm wurde? Und hier ist keine konkrete Antwort zu finden. Ich rauche nicht, trinke nicht, habe keine weiteren Süchte/Laster, bin sehr sparsam und bescheiden. Ich bin -mit Ersparnissen- von Irland nach Österreich umgezogen. Das war's; mehr nicht - doch genau damit begann die Hölle. Psychologe Haider wechselte übrigens in die »Wohnplattform«.
Einige Male ging ich in die Selbsthilfegruppe im »SBZ« (Sozial- und Begegnungszentrum). Die dortigen Teilnehmer litten an Depressionen und Ängsten. Manchmal waren auch Angehörige dabei. Trotzdem kämpfte diese Gruppe ums Überleben, weil immer weniger kamen. Neulinge kamen meist nur einmal und dann nie wieder. Letztendlich bestand die Gruppe aus einem kleinen harten Kern. Ich fühlte mich dort sehr wohl und wurde freundlich behandelt. Letztendlich hatte ich aber das Gefühl, dass meine chronische Lebensunlust und meine zugenommene Negativität eine Belastung für die Gruppe war. Und auch hier stellte ich fest: Allen ging es immer deutlich besser als mir. Eine Teilnehmerin litt zwar unter ihren manischen Depressionen. Aber sie hatte ausreichend Geld, ein Haus, war in Rente und hatte einen sympathischen und unternehmungslustigen Lebensgefährten. Nur einer dieser Punkte hätte mir genügt, dass es mir spontan deutlich besser gegangen wäre. In die Selbsthilfegruppe bin ich ab Ende Juli 2006 nicht mehr gegangen, was auch daran lag, dass ich nicht das Geld hatte, um mir das anschließende Getränk im nahen »Parkhotel« leisten zu können.
Im »SBZ« trifft sich auch die Selbsthilfegruppe »Angst & Panik«, deren Leiter Gerhard Höller ist. Ihn lernte ich zufällig kennen. Er(!) rief mich(!) an und bot mir seine Hilfe an. Wir trafen uns am 12. August 2006 in seinem Haus im Stadtteil Wetzelsdorf. Er rief noch einmal an; versprach(!) mir, sich wieder zu melden, was jedoch nie passierte. Diese Leute wissen nicht, was sie mit ihren Versprechen anrichten. Die Betroffenen hoffen jeden Tag, dass der Anruf kommt und realisieren irgendwann mit Betroffenheit, dass auch diese Person nichts mehr mit einem zu tun haben möchte. Wenn sie wenigsten den Mumm hätten, Bescheid zu sagen. Aber dazu sind sie zu feige; sie melden sich einfach nicht mehr. Kein Anruf, keine E-Mail, keine SMS!
Wohnplattform
 Viel Hoffnung setzte ich in eine Wohngemeinschaft der »Wohnplattform«, einer Organisation, die vom Land Steiermark unterstützt wird. In dieser Wohngemeinschaft wohnen bis zu vier psychisch Kranke zusammen (die meisten leiden an Depressionen, Borderline oder Angstzuständen), die aber natürlich keine schweren Fälle sind (was natürlich relativ ist). Es gibt dort Betreuung und wöchentliche Meetings. Die Miete ist sehr gering (ca. € 170) und ganz wichtig: Man ist dort nicht allein. Die WG's sind komplett möbliert, sehr sauber, zentral gelegen und befinden sich in normalen Wohnhäusern und -gegenden - alle in der Nähe der Grazer Stadthalle.
Fortan hatte ich regelmäßige 'Vorstellungs- bzw. Bewerbungsgespräche' in der »Wohnplattform« (gegenüber vom Sozialamt). Letztendlich wurde ich aber auch hier abgelehnt. Zwei Gründe spielten eine Rolle. Erstens: Aufgrund meiner Arbeitszeit könnte ich zu den Meetings (Anwesenheitspflicht!) nicht erscheinen. Und da ich mich weigerte jemals wieder in die »Sigmund-Freud«-Klinik zu gehen, gab es für die »Wohnplattform« ein weiteres Problem, wie sie mit mir im Falle einer Krise verfahren hätten sollen. Fazit: Ich wurde dafür 'bestraft', dass ich arbeitete (alle anderen WG-Bewohner sind arbeitslos oder hatten bis zum Meeting Feierabend!) und dass ich im November 2005 in der »Freud«-Klinik mißhandelt worden bin.
Damals war ich ziemlich überzeugt: Die drei Komponenten (geringere Miete, Betreuung und Gesellschaft) hätten das Jahr 2006 in eine positivere Richtung laufen lassen können. Doch ich wurde einmal mehr abgewatscht.
Wenige Wochen später erfuhr ich dann auch noch, dass die »Wohnplattform« erhebliche Probleme hatte, männliche WG-Bewohner zu finden. Ziel ist es nämlich, die Wohngemeinschaften mit zwei männlichen und zwei weiblichen Personen zu belegen. Da sie jetzt keine männlichen Bewohner haben finden können, standen die Zimmer leer! Ich war bereit zum Einzug und bekam nicht mal eine klitzekleine Chance! Mir gegenüber hat man eine Warteliste(!) erwähnt. Nur eine von unendlich vielen Lügen in diesem Land!
In den folgenden Monaten hatte ich einige, wenige Kontakte zu Patienten mit psychischem Krankheitsbild. Erich traf ich weiterhin. Zusammen mit Ferdinand (ehemaliger Tagesklinik-Patient) und seiner späteren Kurzzeit-Freundin Helga (lebt in der »Wohnplattform«-WG in der Kasernstraße 35) spielte ich an einigen Wochenenden das Kartenspiel »Skip-Bo«. Ab und zu trafen wir uns zum Spielen auch in der Wohngemeinschaft von Helga, wo sie zunächst nur mit einer Frau lebte. Wie schon erwähnt: Die zwei Männerzimmer standen monatelang leer. Ein Männerzimmer wurde schließlich im Sommer bezogen. Es handelte sich um einen wortkargen, dickeren Mann, der aber kaum mit Helga redete, die sich in der WG zunehmend isoliert und gemobbt fühlte.

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| In der Kasernstrasse 35 befindet sich eine von mehreren Wohngemeinschaften der »Wohnplattform«. Hinter dieser Tür (Bild rechts) wohnt Ludwig Seerainer.
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Mitte September überschlugen sich dann die Ereignisse. Nachdem wir bei Helga in der WG »Skip-Bo« gespielt hatten, sagte sie mir, dass der neue, männliche Mitbewohner mich kennen würde. Ich reagierte irritiert. Das Gesicht war mir fremd und im Prinzip habe ich ein sehr gutes Personen- und Namensgedächtnis. Auch den Namen des Bewohners hatte ich vorher noch nie gehört. Ich bat Helga nachzufragen, woher er mich denn kennen würde.
Und das berichtete sie mir am Samstag, dem 23. September 2006: Der Mann heißt Ludwig Seerainer und war der 'dicke Mann', der im November 2005 von Oberarzt Schwarzl angestiftet worden war, mich aus der Klinik zu jagen, mich stundenlang als »deutsche Sau« bezeichnete und drohte, mich samt Gepäck aus dem Fenster zu werfen! Helga, der ich von diesem Vorfall bis heute nie(!) erzählt habe, wohnt also mit dem 'dicken Mann' zusammen! Mein Gott, welch ein Zufall! Und ich habe ihn zunächst nicht erkannt, als wir bei Helga Karten spielten. Aber dafür gab es einen Grund, denn ich habe ihn in der WG nur ganz kurz gesehen (er lag permanent auf dem Sofa und guckte Fernsehen, während wir in der Küche spielten) und praktisch kaum ein Wort mit ihm gesprochen. Auch soll er, eigenen Angaben zu Folge, 18 kg abgenommen haben. Der unbekannte Dicke hatte plötzlich einen Namen und Helga gegenüber gab er alles(!), was damals passiert ist, lückenlos zu. Ohne von mir je ein Wort gehört zu haben, kannte Helga plötzlich das gesamte Drama, das sich im November 2005 in der »Sigmund-Freud«-Klinik zugetragen hat! Sie hat mir alles so erzählt, wie es ihr zuvor Ludwig Seerainer erzählt hat. Er hat ihr gegenüber alles zugegeben und ihr alles berichtet. Am 25. September 2006 deutete er ihr gegenüber sogar an, von seinem Auftraggeber in der Klinik etwas bekommen zu haben. Wahrscheinlich eine Schachtel Zigaretten ...

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Fotos oben: Vorher - Nachher: Hier in der Kasernstr. 35 wohnt Ludwig Seerainer. Seine zwei Mitbewohnerinnen mussten Ende März 2007 ausziehen. Über Ludwig Seerainer wird die schützende Hand gehalten; er durfte bleiben und hat zwei neue Mitbewohner.
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Am 26. September 2006 habe ich die folgende E-Mail an die »Wohnplattform« (zuständig u.a. Herr Wolfgang Fresner, Frau Anita Inzinger) in Graz geschickt:
In den letzten Tagen haben sich die Ereignisse überschlagen. Ich spreche von der »Wohnplattform«-Wohngemeinschaft in der Kasernstraße 35 und dem dortigen Bewohner Ludwig Seerainer.
Während meines Aufenthaltes in der »Sigmund-Freud«-Klinik im Oktober/November 2005 hat mich genau dieser Mensch stundenlang »emotional gefoltert«. Auftraggeber war der Oberarzt der Station, Dr. Peter Schwarzl. Hilfesteller waren die Pflegehelferinnen Heike und Astrid sowie Pfleger Christian.
Die Ereignisse von damals haben mich traumatisiert. Ich hatte Ihnen im Februar 2006, als ich mich um einen Platz in der »Wohnplattform« beworben habe, gesagt, dass ich in der »Sigmund-Freud«-Klinik erschreckende Dinge erlebt habe. Aber aus Angst vor diesem Arzt habe ich nur Herrn Haider im Beratungszentrum Granatengasse von diesem Vorfall erzählt mit der Bitte, nichts weiter zu erzählen.
Obwohl kein Blut geflossen ist, werden Sie sich die bedrohlichen Situationen, die ich in der »Sigmund-Freud«-Klinik über Stunden(!) ertragen mußte, in keiner Weise nachvollziehen können. Stundenlange ausländerfeindliche Hetze in meine Richtung. Stundenlang übelste Beschimpfungen! Stundenlang der Versuch die Mitpatienten aufzuhetzen, mich aus dem Fenster stoßen. Stundenlang die spürbar zunehmenden Rempelattacken ohne das Wissen: Was wird gleich passieren? In jeder Sekunde hätte die Situation eskalieren können. Und das sogenannte Pflegepersonal stand im Hintergrund und feixte.
Ich stand vollkommen allein da. Mein einziges »Verbrechen« war gewesen, dass es mir entsetzlich schlecht ging, dass ich mich am 31. Oktober 2005 freiwillig in die Obhut der »Sigmund-Freud«-Klinik begeben habe, nachdem mir vom Psychologen Haider empfohlen wurde, dorthin zu gehen, weil man mir hier besser würde helfen können. Ich habe gefleht und gebettelt, nicht entlassen zu werden - doch was ich stattdessen bekommen habe, ist auf dieser Webseite ausführlich niedergeschrieben.
Ich habe keinerlei Vertrauen zu den Behörden in diesem Land und bin Realist genug, um zu erkennen, dass man natürlich einem deutschen Psychiatrie-Patienten in seiner Aussage gegen einen österreichischen »Halbgott in Weiß« keinerlei Glauben schenkt. Von daher habe ich nie in Erwägung gezogen, diesen Vorfall an die zuständigen Stellen weiterzuleiten; gleichwohl ich ein schlechtes Gewissen gegenüber anderen Patienten auf dieser Station habe, denen unter Umständen ähnliches oder noch schlimmeres passiert.
Von dieser Zurückhaltung werde ich ab sofort Abstand nehmen. Am Dienstagmorgen werde ich Briefe und E-Mails mit dieser Webseite im Internet veröffentlichen und an elf Freunde/Bekannte und Verwandte in Deutschland, an Bekannte in Graz, an die deutsche Botschaft in Wien, an die Presse und an das »SBZ« in Graz weiterleiten. Darüber hinaus steht der oben genannte Bericht noch auf weiteren Webseiten im Internet, die sofort freigeschaltet werden, sobald diese nicht mehr erreichbar sein sollte.
Mir ist vollkommen klar, dass gegen Dr. Schwarzl und die drei Pflegepersonal-Kräfte nichts unternommen wird; aber vielleicht bin ich naiv genug zu glauben, dass es dabei hilft, dass jetzt mit den Patienten anders umgegangen wird. Schwarzl und Heike sind bis heute auf »PS 32« tätig; Astrid hat die Station aus mir unbekannten Gründen verlassen.
Fast ein Jahr hat es gedauert, bis ich am 23. September 2006 in Erfahrung gebracht habe, wie der Mann heißt, der mich in der »Freud«-Klinik stundenlang drangsaliert hat. Und diesem Menschen geben Sie einen Platz in der Wohngemeinschaft!
Als ich mich damals bei Ihnen beworben habe, haben Sie mir stundenlange Vorträge gehalten, wie man sich in solch einer Wohngemeinschaft zu verhalten habe. Immer wieder dieselben Vorträge; immer wieder dieselben Fallbeispiele (was würde ich tun, wenn ...).
Mir hätte es damals so gut getan, sozialen Kontakt in einer Ihrer WGs zu bekommen. Und Sie haben mich abgestraft!
Weil ich a.) einen Job hatte und nicht an den abendlichen Meetings hätte teilnehmen können (einen Job, um den ich mich bemüht hatte, obwohl ich nicht arbeitsfähig war).
Weil ich b.) schreckliche Angst davor hatte, jemals wieder diesem Schreckensarzt in der »Freud«-Klinik gegenüber zu stehen.
Ihnen, den Psychologen in der »Wohnplattform«, konnte ich vor lauter Angst vor Dr. Schwarzl keine zufriendenstellende Antwort geben, als Sie mich fragten, warum ich nicht in die Landesnervenklinik zurück wolle, falls es bei mir zu einer weiteren depressiven Krise kommt.
Statt mir zu helfen, lassen Sie die zwei Männerzimmer in der Wohngemeinschaft Kasernstraße 35 den ganzen Sommer über leer stehen!!! Monatelang!!! Sie lassen sie lieber leer stehen, als mir eines davon anzubieten.
Und lassen dann einen zutiefst ausländerfeindlichen, intoleranten, mobbenden und aggressiven Klienten dort einziehen, der in keiner Weise die soziale Kompetenz hat, mit Menschen, denen es psychisch alles andere als gut geht, zusammen zu leben.
Mich, einen freundlichen, hilfsbereiten und toleranten Menschen, haben Sie für nicht gut genug für diese WG befunden. Und Ludwig Seerainer lassen Sie dort einziehen.
Ich unterstelle nicht, dass Sie wußten, was Ludwig Seerainer mit mir und mindestens einem weiteren Patienten in der »Sigmund-Freud«-Klinik gemacht hat; aber dass sie ihn dort mit diesem neuen Wissensstand belassen (mit zwei Frauen im Haus, denen es offenbar alles andere als gut geht und von denen mindestens eine zu Recht Angst vor ihm hat), grenzt an Verantwortungslosigkeit.
Des weiteren besteht die Gefahr, dass andere Patienten und Klienten, die von diesen scheußlichen Machenschaften erfahren, auch das Vertrauen in Behörden und Klinik verlieren.
Von Psychologen, die in einem solchen sensiblen Bereich arbeiten, erwarte ich ein Minimum an Verantwortungsgefühl und Menschenkenntnis, was Ludwig Seerainer und mich betrifft. Auch wenn Ludwig Seerainer vermutlich als »unzurechnungsfähig« eingestuft wird, hätten Sie spätestens gestern Abend Anzeige erstatten müssen, denn er hat ja alles zugegeben. Diese Aussage hätte unbedingt zu Protokoll genommen werden müssen.
Sie werden -wie alle anderen- mit Ihren Entscheidungen gut leben können. Aber sollten Sie noch zu einem Funken Selbstkritik in der Lage sein, müßten Sie jetzt hart mit sich ins Gericht gehen.
Neun Monate später erhielt ich eine E-Mail vom Geschäftsführer der »Wohnplattform«, Dr. Heribert Sitter. Dazu mehr auf der nächsten Seite.
Was haben die Psychologen in der »Wohnplattform« mir damals für Vorträge gehalten, wie man sich als Bewohner in so einer WG verhalten soll. Wie genau ausgewählt wird. Immer wieder wurde mir gegenüber betont, dass da schließlich nicht jeder wohnen könne. Unglaublich: So ein aggressiver, Ausländer hassender, mobbender Mensch bekommt einen Platz in einer Wohngemeinschaft für psychisch kranke Menschen! Und mich lehnte man ab! Was ist mit den Mitbewohnern, die dicht an dicht mit diesem Mann leben müssen? Was ist mit Hausbewohnern, den Nachbarn?
Man möge sich nur folgendes Albtraum-Szenario vorstellen: Man hätte mich im Februar 2006 nicht abgelehnt, hätte mir ein Zimmer in der Wohngemeinschaft gegeben und wenige Monate später hätte ich eng an eng mit Ludwig zusammenleben müssen ...
Immer mehr Fragen stellten sich mir: Mit welchen Methoden 'arbeiten' Ärzte wie Dr. Schwarzl und das Pflegepersonal noch? Was tun die möglicherweise den Patienten an, die sich gar nicht artikulieren bzw. wehren können? Was wäre der nächste Schritt gewesen, wenn die Versuche des Ludwig Seerainer damals nichts genützt hätten und ich nicht gegangen wäre. Wäre dann statt 'emotionaler' Folter die körperliche Folter der nächste Schritt gewesen? Hätte das Pflegepersonal dann vielleicht gelogen, Patient Schubert hat uns oder die Patienten angegriffen und sich das auch noch gegenseitig bezeugt? Und was genau hätten die dann mit mir gemacht? Nur die Polizei verständigt oder Gewalt angewendet? Mich ans Bett gefesselt? Geschlagen? Medikamente zugeführt?
Wer glaubt, dass sich nach Veröffentlichung dieser Webseite und dem Bekanntwerden dieser Machenschaften irgendjemand seitens der »Sigmund-Freud«-Klinik oder der »Wohnplattform« bei mir entschuldigt bzw. sein Bedauern ausgedruckt hätte, irrt.
Per E-Mail habe ich auch Frau Birgit Ragger am 14. November 2006 über die Vorkommnisse in der »Freud«-Klinik informiert. Am 16. November erhielt ich eine schriftliche Eingangsbestätigung (ID29130-23924). Auf die Vorkommnisse in der »Freud«-Klinik ging sie dabei mit keinem Wort ein.
Über die Wohnplattform und Ludwig Seerainer berichte ich weiter auf der nächsten Seite!
Ombudsfrau Renate Skledar
 Und das seitens der Verantwortlichen absolut nichts unternommen wird, beweist mein Besuch bei der Ombudsfrau für medizinischen Fragen/Beschwerden, Renate Skledar (Foto), in der Trauttmansdorffgasse am 9. Oktober 2006. Nachdem ich ihr zwei Stunden die Erlebnisse in der »Sigmund Freud«-Klinik geschildert hatte, fragte sie mich(!), was ich an ihrer Stelle unternehmen solle. Das war's!
Am 19. Januar 2007 gab es folgenden Artikel in der inzwischen eingestellten »o.k.«-Zeitung: »Viele Patienten klagten über Ärzte: Die Zahl jener Patienten, die sich mit einer Beschwerde bei der steirischen Patientenombudsfrau Renate Skledar gegen angeblich falsche Behandlungsmethoden, fehlende Information durch Ärzte oder organisatorische Mängel im Spitalsbereich zur Wehr setzten, steigt: Laut Skledar haben sich 2006 insgesamt 1.667 Patienten an sie gewandt, das sind 10 Prozent mehr als im Jahr davor. 240 Fälle landeten schließlich vor der Schlichtungsstelle; 35 davon wurden zu Gunsten der betroffenen Patienten entschieden. Ihnen wurden rund 440.000 Euro an Entschädigungen ausbezahlt.« Und ich bekam nicht mal eine Antwort.
Keinen Finger gerührt hat auch der Patientenanwalt der »Sigmund Freud«-Klinik, als ich im November 2005 Oberarzt Dr. Schwarzl und seinen Helfern ausgeliefert war. Ein Einzelfall? Die Zeitung »Presse« berichtete am 9. August 2007 über den neuen Wiener Pflege- und Patientenanwalt Konrad Brustbauer, der seit fünf Wochen im Amt ist und von dem bereits der Rücktritt gefordert wird. Auslöser der Diskussion sind Brustbauers Kommentare zur Diskussion über lange Wartezeiten auf OP-Termine. Das Problem sei für die Betroffenen nichts Neues - er sehe keinen besonderen Anlass, Alarm zu schlagen, erklärte Brustbauer. Dass sein Vorgänger im letzten Jahresbericht das Problem langer Wartezeiten bis zur Operation zum Thema gemacht hat, kommentierte Brustbauer so: »Meine Ressourcen vergeude ich nicht, dass ich etwas wiederhole, das ohnehin bekannt ist.« Empörung bei der Grünen-Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz: »Mit diesen Aussagen fällt Brustbauer den Patienten offen in den Rücken. Es stellt sich die Frage, auf welcher Seite Brustbauer steht.« Genau diese Frage habe ich mir beim Patientenanwalt Wolfgang Gärtner 21 Monate vor diesem Artikel auch gestellt, als er mich auf Dr. Schwarzls Station vollkommen im Stich liess.
Über Ombudsfrau Skledar berichte ich weiter auf der nächsten Seite!
Die Qualitätsbeauftragte
 In der Landesnervenklinik »Sigmund Freud« gibt es sogar ein Qualitätsmanagement. Als ich eine E-Mail mit dem einen Satz: »Was geschah in der Nacht vom 18. auf den 19. November 2005 auf Station PS32?« an die Qualitätsbeauftragte, Gerlinde Marktl (Foto), schickte, kam die schier unglaubliche Antwort: »Ich werde diese den zuständigen Ansprechpersonen auf der Station »PS32« weiter leiten. Diese stehen jederzeit gerne für ein persönliches Gespräch für unsere Patientinnen und Patienten bzw. ihre Angehörigen zur Verfügung«.
Das ist ungefähr so, als wenn man dem Chirurgen, der gerade einem Patienten das falsche Bein amputiert hat, darum bittet, in diesem Fall zu ermitteln! Die Qualitätsbeauftragte hat nicht einmal den Versuch unternommen, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Fazit: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
Faszinierend ist auch mit welch grossen Worten die Qualitätsbeauftragte ihren Aufgabenbereich propagiert: »Qualität ist das Maß der Erfüllung von Anforderungen und Erwartungen externer Kunden (Patienten, Angehörige, Träger, Zuweiser) und interner Kunden (Mitarbeiter, vor- und nachgelagerte Leistungsstellen) des Krankenhauses. Immanente Qualitätsverbesserung ist Teil des Unternehmenskonzeptes unseres Hauses.«. Oh ja! Als ob diese Selbstbeweihräucherung noch nicht reichen würde:
Ziele des Qualitätsmanagement im Haus:
1. Erhöhung der Autonomie der einzelnen Abteilungen
2. Optimierung der Behandlungsqualität
3. Erhöhung der KundInnenzufriedenheit (1)
4. Erhöhung der MitarbeiterInnenzufriedenheit (2)
5. Effizienter Einsatz von Arbeitsmitteln und Personal (3)
6. Selbstbewertung und kontinuierliche Verbesserung
7. Transparenz nach innen (Mitarbeiter)
8. Transparenz nach außen (Qualitätsberichte) (4)
9. Benchmarking
(1)Meine Zufriedenheit als Kunde(!) stand ja bei Dr. Schwarzl und Team nicht so sehr im Vordergrund;
(2)die Zufriedenheit von Dr. Schwarzl und den Pflegerinnen Astrid und Heike war natürlich ungleich höher. Sie hatten ihren Spaß - der auch noch bezahlt wurde!!!
(3)Vielleicht könnte man diese Position noch um eine Vokabel ergänzen: Effizienter Einsatz von Arbeitsmitteln, Personal und Patienten! Denn Ludwig Seerainer wurde ja am 24. November 2005 als Patient sehr effizient eingesetzt!
(4)Für die Transparenz nach außen hat nicht die Qualitätsbeauftragte Marktl gesorgt, sondern ich mit dieser Webseite und meine Helfer, die für die Verbreitung sorgen.
Die Willkür der Behörden
Aber es ist auch die Bürokratie, die viel über ein Land aussagt. Schlimmer und ineffizienter kann es nicht mehr gehen. Der Mensch an sich ist ein einziger lästiger, schmarotzender Bittsteller, erst recht wenn er kein österreichisches Blut in sich trägt. Ihm gegenüber wird wenig bis gar kein Respekt gezollt. In Begleitung wird man deutlich freundlicher behandelt als wenn man allein vorspricht und das auch noch betont. Sage ich hinterher, ich habe dem Beamten mein Problem sachlich und freundlich geschildert, aber keine Hilfe erfahren, wird gesagt: »Da musst du mal kräftig auf den Tisch hauen; dir das nicht gefallen lassen.« Sage ich zu einem anderen, ich habe bei der Behörde kräftig auf den Tisch gehauen und keine Hilfe erfahren, sagt man mir: »Da musst du dich auch nicht wundern: Du hättest ruhig und sachlich bleiben müssen«.
Die Gründe, dass einem gerade jetzt nicht geholfen werden kann, sind vielfältig. Entweder der zuständige Kollege ist krank, in einer Besprechung oder im Urlaub oder es ist Mittwoch- oder Freitagnachmittag und da gehe ja gar nichts. Oder es ist gerade ein Fenstertag zwischen Feiertagen oder der Computer streikt gerade und man komme nicht an die Daten heran. Manchmal ist auch die Akte unauffindbar. Und so geht das tagein, tagaus. Es besteht bei den Verantwortlichen nicht das geringste Interesse, an dieser Situation etwas zu verbessern.
* * *
Es werden wahllos Dinge versprochen, die nicht gehalten werden. Ein weiteres Beispiel: Am 11. Oktober 2006 suchte ich die Beratungsstelle »Pro Mente« für Depressionskranke in der Mariahilferstraße in Graz auf und sprach zwei Stunden lang mit Uta Haslinglehner.
Aus dem Internet hatte ich von dieser Beratungsstelle erfahren. Jedes Wort auf der Webseite sprach mich an:
Ziel des Vereines ist es, psychosozial benachteiligten und beeinträchtigten Personen
zur allseitigen Beachtung der Menschenrechte,
zu einer Verbesserung und Sicherung ihrer gesellschaftlichen Stellung,
zu einer Verbesserung ihrer Betreuung, Versorgung und Begleitung in medizinischer, psychologischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht zu verhelfen.
Die Kooperation mit Betroffenen, Angehörigen und Professionalisten soll weiter forciert werden; Ziel ist ein flächendeckendes Netz an Unterstützung und Einrichtungen, das den individuellen Bedürfnissen und Anforderungen bestimmter Hilfe bedürfender Menschen gerecht wird.
Schöne Worte! Uta Haslinglehner versprach(!), sich zu informieren und sich zu kümmern. Die Zeilen Ihrer letzen E-Mail am 16. Oktober 2006: »Höre mich auf jeden Fall weiter um und melde mich bei Ihnen wieder!« Nie wieder habe ich ein Wort von ihr gehört! Wie gehen diese Menschen mit Ihrer Verantwortung um? Es wird hier soviel gelogen, dass ich manchmal glaube, dass die Menschen es gar nicht mehr merken, wenn sie die Unwahrheit sagen. Kennt Haslinglehner überhaupt den Inhalt ihrer Webseite?
Ich fragte mich: Wie wird überhaupt die Arbeit und die Qualität dieser Dame kontrolliert? In England/Irland erhält man nach einer Beratung grundsätzlich ein Formular, dass man an eine neutrale Stelle senden kann. Hier kann man die positiven und negativen Erfahrungen niederschreiben. So bekommen die Vorgesetzten im Laufe der Zeit einen realistischen Eindruck von jedem Mitarbeiter. Von so etwas hat man in Österreich noch nie etwas gehört und von daher gibt es auch wenig Spuren, ob ich überhaupt da war. Kein Vorgesetzter kann kontrollieren, ob Frau Haslinglehner alles richtig gemacht oder schwerwiegende Beratungsfehler begangen hat. Niemand erfährt, ob Frau Haslinglehner einfach nur einen schlechten Tag hatte, motiviert war oder keinen Bock hatte. Auch ich musste mich in England in meinem Job dieser Prüfung stellen, wenn ich Kontakt mit Menschen hatte. Anfangs war ich skeptisch (wer ist schon immer gut drauf?); aber letztendlich ist das eines der Geheimnisse, warum Menschen auf der Insel um so vieles besser behandelt werden. Und bei einer negativen Kritik ist man auch den Job nicht gleich los - aber es kommt bei kritischen Feedbacks zu sachlichen Gesprächen mit dem Vorgesetzten, die allen Beteiligten weiterhelfen.
Viele Monde später bekam ich eine Erklärung: Andrea Zeitlinger (Foto lks.) von »Pro Mente« schrieb mir am 10. November 2007(!): Frau Haslinglehner ist seit 1 1/2 Jahren nicht mehr bei uns, sie ist mit ihrem Partner nach Brasilien ausgewandert. Deshalb hat Sie sich bei Ihnen wohl auch nicht mehr gemeldet. Basta! Zwischen Oktober 2006 und November 2007 liegen zwar nicht 1 1/2 Jahre, aber ich gehe davon aus, dass sie seinerzeit andere Dinge im Kopf hatte, als meine Probleme. Erst geht Sozialarbeiter Philipp Hamedl auf Weltreise und jetzt wandert Uta Haslinglehner auch noch nach Brasilien aus. Sollen doch die Patienten sehen, wie sie zu Rande kommen. Das ist genau die Einstellung in Österreich! Von einer dienstlichen Übergabe an die nächste Schicht hat man offenbar auch noch nie etwas gehört. Und es scheint keinen Vorgesetzten zu geben, den das interessiert.
* * *
In den Medien wird propagiert, dass sich Bedürftige an die Sozialberatung der »Caritas« wenden mögen. Am 22. Oktober 2006 habe ich via E-Mail unter sozialberatung@caritas-graz.at um einen Termin gebeten und nie eine Antwort erhalten.
In der Zeitung »Österreich« stand ein Artikel, bei dem es mir in den Adern gefror: »250.000 Steirer leiden an psychischen Beeinträchtigungen. Der Weg zur Therapie fällt vielen schwer. Teils wegen bürokratischer Hürden, teils weil man sich immer noch scheut, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dafür wurde in der Grazer Elisabethstraße 38 eine Beratungs- und Kontaktstelle eingerichtet«. Gar nicht auszudenken, wenn ein verzweifelter Mensch diese Zeilen liest, durch den Artikel Mut fasst und als Dank auf der Station von Dr. Schwarzl landet. Wie auch immer: Auch ich habe dorthin geschrieben und nie eine Antwort erhalten.
Auf vielfachen Ratschlag hin, habe ich mich auch an das Team des Landeshauptmann Voves gewandt. Der Landeshautmann entspricht dem Ministerpräsidenten in Deutschland. Auf meine E-Mail, die ich am 28. Oktober 2006 verschickt habe, folgte am 14. November 2006 eine Antwort per Brief. Frau Klaudia Angerbauer (Foto) schreibt darin: »Bezug nehmend auf Ihr E-Mail darf ich Ihnen im Auftrag von Herrn Landeshauptmann Mag. Franz Voves mitteilen, dass wir Ihr Ansuchen hinsichtlich einer finanziellen Unterstützung zuständigkeitshalber an Herrn 2. Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Kurt Flecker, mit der Bitte um dringende Bearbeitung, weitergeleitet haben ... Sobald wir nähere Informationen haben, ob eine finanzielle Unterstützung aus dem Sozialressort des Landes Steiermarks möglich ist, wird mit Ihnen wieder Kontakt aufgenommen. Wir bitten zwischenzeitlich um etwas Geduld.« Ich wartete und wartete. Der lange Winter kam und ging und ich wartete immer noch. Erst als diese Webseite immer bekannter und für zunehmend Aufsehen sorgte, meldete sich am 8. März 2007 ein gewisser Herr Andreas Temmel. Wer das ist und was dann passierte steht auf der nächsten Seite.
 Am 4. Oktober 2006 habe ich einen Antrag auf die neuartige Wohnbeihilfe beim zuständigen Amt der Steiermärkischen Landesregierung am Dietrichsteinplatz 15 eingereicht. Sechs Wochen(!) später, erhielt ich am 13. November 2006 einen Anruf von Frau Waltraud Müllner, dass ich den Mietvertrag senden solle, obwohl ich bereits im Antrag erwähnt hatte, dass Vermieter Wonisch sich weigert, mir einen zu geben. Vermutlich werde ich jetzt auch noch für die Methoden eines unseriösen Vermieters abgestraft. Und genau so ist es: Per E-Mail teilt mir Frau Müllner am 15. November 2006 mit, dass man keine Ausnahme machen könne. Ohne Mietvertrag bekomme ich kein Geld, muss in meiner eiskalten Schimmelwohnung verbleiben. Die schriftliche Drohung schickte Frau Müllner einen Tag später in Großbuchstaben: »SOLLTEN DIE UNTERLAGEN NICHT INNERHALB VON DREI MONATEN VORGELEGT WERDEN, GILT DAS ANSUCHEN ALS GEGENSTANDSLOS!« (GZ: FA11a-55 200 3077).
 Vermieter Wonisch, den ich schließlich noch ein 6. Mal um einen Mietvertrag gebeten hatte, hinterlegte mir dann tatsächlich einen am 18. November 2006, der bewies, wie die Behörden (in diesem Fall das Wohngeldamt) dafür sorgen, dass man statt dringend benötigter Hilfe zusätzliche Schwierigkeiten bekommt: Der Mietvertrag beinhaltet einige Tricksereien, die ich nicht unterschreiben konnte. Dieser Vertrag beginnt am 1. November 2006 und soll ohne Kündigung am 31. Oktober 2007 enden. Er begann aber bereits am 1. August 2005 und von einer Befristung war nie die Rede! Dinge wie, dass die Wohnung beim Einzug neu ausgemalen war bzw. dass das Haus in sehr gutem Zustand ist, werde ich nicht per Unterschrift bestätigen. Des weiteren muss ich Gebühren beim Finanzamt bezahlen. Tatsache ist: Ich habe nicht das Geld für Gebühren - und das weiß auch das Wohngeldamt, dem ich meine prekäre Situation in einem beigefügten Schreiben erklärt habe. Wie Mietexperten auf den Mietvertrag reagierten, steht auf der nächsten Seite.
Wohl wissend, dass ich diesen Mietvertrag nicht unterzeichnen werde/kann, fügt Wonisch noch ein paar handgeschriebene Worte hinzu. Wörtlich: »Solltest Du mit dem Mietvertrag nicht einverstanden sein, kannst Du jederzeit ausziehen!« (Bild unten). Diese Worte sind an jemanden gerichtet, der immer pünktlich seine Miete bezahlt hat und der keinen einzigen Cent von der Miete gekürzt hat, obwohl ich dazu -laut Arbeiterkammer- aufgrund des verheerenden Zustandes der Wohnung, berechtigt bin. Wonisch kam dann am 26. November 2006 an meine Tür. Er erneuerte seine Forderung, ich möge bald ausziehen. Oder war das mehr Drohung als Forderung?
Und auch diese Episode passt perfekt in das von »Bürokratismus bis in den Tod« geprägte Bild: Am 15. November 2006 erhalte ich ein Jobangebot vom Arbeitsamt, dem »AMS«: »Bitte bewerben Sie sich umgehend für diese Stelle. Ein eigenes Fahrzeug (!!!) ist zum Erreichen des Arbeitsortes erforderlich« - und ich weiß nicht mal, wie ich meine Wohnung beheizen soll!
Fast ein Jahr danach war ich am 8. November 2006 gezwungen, wieder die Pfarre »Schutzengel« aufzusuchen. Frau Eva Riegler gab mir € 50. Unbürokratisch und schnell. Dafür war ich ihr dankbar. Ein Betrag, der aber zu keiner Lösung führt, der wirklich nur die aussichtslose Situation, das Siechtum verlängert; ich drei Wochen heizen kann. Ich bat sie dringend um eine Rechtsberatung. Sie hat daraufhin bei der »Caritas« in der Keplerstr. 82 angerufen und sich bei Frau Lilleg (Zimmer 111, 1. Stock) einen dringenden Termin für mich geben lassen. Der sei bereits morgen. Frau Riegler sagte noch, dass ich all meine Unterlagen mitnehmen möge. Pünktlich stand ich am 9. November um 9:30 Uhr vor Frau Lillegs Bürotür. Frau Lilleg trat schließlich vor die Tür, sagte weder »Guten Morgen« noch »Guten Tag«, war total genervt wegen eines defekten Fotokopieres. Als sie mich im Warteraum sitzen sah, fragte sie, was für eine Nationalität ich hätte. Als ich sagte, ich sei Deutscher und hätte bei ihr einen Termin, sagte sie barsch: »Zu mir können Sie aber nicht kommen!« - Ich bin aufgestanden und gegangen. Frau Riegler hatte gestern am Telefon mein Problem geschildert (ich saß bei ihr und konnte gut zuhören), bekam den Termin und musste mir jetzt diese Antwort anhören. Die Menschen bzw. die Ausländer werden in diesem Land schikaniert bis auf die Knochen, ihre Schwäche wird ausgenutzt und letztendlich werden sie so in die Kriminalität oder in den Suizid getrieben. Besonders extrem ist das, wenn es sich nicht um eine Behörde, sondern um eine Organisation wie der »Caritas« handelt, die sich angeblich dem Menschen verschrieben haben.
Am 26. November 2006 habe ich eine E-Mail an http://www.depression.at geschickt und um Hilfe gebeten. Auf den Infoscreen-Bildschirmen in der Straßenbahn war entsprechende Werbung gemacht worden, dass man hier Hilfe bekommen könne. Ich habe meine Situation geschildert und nie eine Antwort erhalten.
Im Heft »Grüß Gott, Steiermark! Begegnungen mit der katholischen Kirche« entdeckte ich die E-Mail-Adresse des Notfallseelsorgers Gerhard Baldauf, den ich anschrieb und der auch nie zurück schrieb. Ein Seelsorger, der verzweifelten Menschen nicht antwortet ...
Vieles was ich hier in diesem langen Zeitraum erlebt habe, erfüllt -meiner Ansicht nach- den Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung. Der Tod eines Menschen wird fahrlässig in Kauf genommen.
Über die Behördenwillkür in Graz berichte ich weiter auf der nächsten Seite!
Fehlendes Glück, das Alleinsein und offene Fragen
Das, was mir in den letzten Jahren -und speziell hier in Graz- so schrecklich gefehlt hat, war ein Funken Glück. Glück, auf das man zukunftsweisend aufbauen kann. Glück als Motivation für weitere Aufgaben. Glück als kleine Belohnung für all das Bemühen, das so unendlich viel Kraft gekostet hat. Es gab einige wenige gute Nachrichten, die auch einige Zeit halfen - letztendlich haben sie aber nur mein Vegetieren verlängert. Ein Außenstehender kann sich gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn sich Freunde, Bekannte und Verwandte von einem abwenden. Alle! Man muß das Grauen des Alleinseins körperlich erleben. Und da andere nicht allein sind (zumindest nicht dauerhaft), kennen sie diese Erfahrung nicht.
Kein Mensch kommt im Leben allein klar. Keiner! Es braucht immer Menschen, die einen unterstützen und helfen. Selbst wenn ich allein die Antarktis durchqueren will, brauche ich Helfer, die die Expedition vorbereiten bzw. welche, die mich in Not aus der Eiswüste heraus holen. Als Arbeitsloser brauche ich den guten Willen der Arbeitgeber oder den guten Willen der Behörden. Aber ich war vollkommen allein; habe beim Sozialamt und anderen Ämtern förmlich um Hilfe und Unterstützung gewinselt und wurde mit Verachtung bestraft.
Ganz besonders bitter ist es natürlich erleben zu müssen, wie sich sogenannte gute Freunde abgesondert haben. Jeder, der an dieser Stelle höhnisch grinst, sollte darüber nachdenken, dass ich in dieser Hinsicht natürlich kein Einzelfall bin. Wenn Probleme auftauchen, die länger als eine Woche andauern, sondern sich Freunde ganz schnell ab. Man funktioniert nicht mehr. Aber diese soganannten Freunde sollten auch darüber nachdenken, dass ihnen schon morgen etwas ähnliches passieren könnte. Zu einer dauerhaften Krise (Krankheit, Trennung, Unfall), welcher Art auch immer, kann es von einer zur anderen Sekunde kommen. Einziger Vorteil im Falle einer dauerhaften Krise: Dass man dann wirklich sicher weiß, wer seine Freunde sind. Allerdings habe ich durch die Verbreitung dieser Seite, neue Menschen kennengelernt, zumindest per E-Mail.
Schleichend langsam bin ich zu einer unerträglichen Belastung geworden. Das hört sich nach sehr viel Selbstmitleid an - ist es auch. Aber bevor jemand mein Selbstmitleid kritisiert, soll sich dieser Kritiker nur einen Tag mal in meine Situation versetzen/begeben. Nur einen Tag! Ich bin so unendlich verzweifelt und weiß einfach nicht mehr weiter.
Ich arbeite noch, bin gut ausgebildet, intelligent, freundlich und sachlich, kann gut mit Menschen und Geld umgehen (bin sehr sparsam und bescheiden), hatte bis zu meiner Zeit in Österreich nie Schulden, rauche nicht, trinke nicht, nehme keine Drogen, bin kein Spieler, habe keine anderen Süchte und keine teuren Hobbies, bin fleissig, zuverlässig und pünktlich, spreche fließend Englisch, besitze zudem internationale Berufserfahrung, bin flexibel, motiviert, stehe neuem positiv gegenüber, bin lernwillig.
Auf was ich mit dieser Auflistung hinaus möchte: Warum trifft es mich hier in Österreich so extrem hart mit all diesen durchaus vielversprechenden, oben genannten Aspekten? Schlußendlich komme ich immer nur zu einer plausiblen Antwort: Ausländerhass!
ZARA:
Am 22. März 2007 berichteten alle österreichischen Zeitungen über den Report der Anti-Rassismus-Initiative ZARA: 1.504 rassistische Übergriffe wurden im Vorjahr in Österreich gemeldet (wohl gemerkt: nur die gemeldeten!). Die höchste Zahl, die bisher verzeichnet wurde.
Auch ich habe mich im März und April 2007 an Herrn Wolfgang Zimmer von ZARA gerichtet und um Hilfe gebeten: In erster Linie, was die ausländerfeindliche Hetze in der »Sigmund Freud«-Klinik betraf und zum anderen, um zu prüfen, ob die Behörden-Willkür in Graz auch ausländerfeindliche Gründe haben könnte. Ich kann es kurz machen: Auch ZARA kann mir nur wenig helfen. Gleich zu Anfang schreibt Wolfgang Zimmer: »Zu den von Ihnen gegenüber steirischen Behörden und der »Sigmund-Freud«-Klinik geäußerten Vorwürfen und möglichen Maßnahmen dagegen: Zunächst muss ich Ihnen ehrlicherweise mitteilen, dass keiner der eventuell möglichen Schritte, Ihre Situation (bzgl. Wohnung, Entschädigung für erlittenes Unrecht, finanziell) kurzfristig verbessern wird können.«
Was die Vorfälle in der »Sigmund Freud«-Klinik betrifft rät Wolfgang Zimmer, Kontakt mit der Gleichbehandlungsbeauftragten des Landes Steiermark aufzunehmen (... also meine Behörden-Odyssee fortzusetzen).
Theoretisch könnte ich mich bei »Wetten, dass ...« bewerben, denn zwischenzeitlich bin ich längst in der Lage, jede Ombudsfrau, Gleichstellungsbeauftragte, Gleichbehandlungsbeauftragte, Qualitätsbeauftragte etc. an ihrem Geruch zu erkennen.
Meine Bitte um einen persönlichen Gesprächstermin bei ZARA beantwortete Zimmer so: »Wenn Sie eine persönliche Beratung wünschen, kann ich Ihnen gerne einen Termin in unserer Beratungsstelle in Wien(!) anbieten. Aufgrund des Umstandes, dass wir keine Experten bzgl. des Steir. Anti-Diskriminierungsrechtes sind und ich sonst keine Möglichkeit rechtlicher Schritte sehe, wären die Strapazen einer Reise nach Wien für Sie aber eventuell vergeudete Energie. Eine Beratung vor Ort ist uns leider nicht möglich.«
Mit anderen Worten: Ich soll es gleich bleiben lassen. Muss ich auch, weil ich keinen Cent habe, um nach Wien reisen zu können.
Stattdessen bot Zimmer an, dass »ich die Klinikleitung zur Stellungnahme bzgl. der von Ihnen geäußerten Vorwürfe auffordern werde«.
In bewegenden Worten schreibt Wolfgang Zimmer »dass die Mittel unserer kleinen Beratungseinrichtung mit Sitz in Wien sehr begrenzt sind«.
Zum dramatisch zugenommen Rassismus in Österreich: »Mittlerweile ist die Anzahl der jeweils gemeldeten Fälle so angestiegen, dass eine gemeinsame Publikation schon in Buchform passieren müsste. Es ist zum Weinen und gleichzeitig zum Kotzen, dass es nach wie vor keine staatliche Stelle (wie z.B. in Großbritannien) gibt, die die Aufgabe der Dokumentation von rassistischen Fällen und der Hilfe für betroffene Personen übernimmt.«
Sein Schlusswort: »Persönlich möchte ich sagen, dass mich Ihre Geschichte sehr erschüttert hat und ich es bedaure, dass wir Ihr Leid weder auf rechtlichem Wege noch durch finanzielle Unterstützung rasch lindern können.«
Nette Worte hin oder her: Wolfgang Zimmer hat sich danach nie wieder gemeldet. Auch habe ich bis heute nie erfahren, ob die »Sigmund-Freud«-Klinik je eine Stellungnahme abgegeben hat und falls ja, was darin gestanden hat.
Intermezzo I: Die Einheimischen
Jetzt bin ich in meinem Leben so viel gereist, war in 41 Ländern auf vier Kontinenten und trotzdem wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes von den Österreichern kalt erwischt. Es mag sich niemand vorstellen, wieviel Hass in vielen dieser Menschen steckt. Sie scheinen alles zu hassen: Die EU, die Deutschen, die Farbigen, die Ausländer im allgemeinen, die Punks, die Burgenländer, die Wiener, die Bettler, ihre Nachbarn, ihre Arbeitskollegen, den Hundekot, die anderen Autofahrer auf den Straßen. Und noch viel mehr! Am 1. Oktober 2006 haben 16 % (!) der Bevölkerung bei der Nationalratswahl rechtsgerichtete Parteien gewählt, die sich massiv gegen Ausländer einsetzen (wollen)! Ich konnte an dieser Stelle noch nicht wissen, dass sich die Zahl ultrarechter Wähler binnen zwei Jahren fast verdoppeln sollte. Geld scheint wirklich den Charakter zu verderben: Trotz steigender Armut gehört Österreich zu den reichsten Ländern der Welt und trotzdem sind sie so unsagbar unzufrieden. Und dann der Neid! Niemanden wird etwas gegönnt. Und so oft habe ich sie feixen hören, wenn es jemandem schlecht ging: »Geschieht ihm nur recht!« »Wird ihm eine Lehre sein!«
Wie heftig sich die Menschen selbst nach Strich und Faden belügen, zeigt das Beispiel des Euro. Natürlich sind es die bösen Ausländer in Brüssel, die beim Umtausch die Waren spürbar erhöhten. Niemand kommt auf die Idee, dass es die österreichischen Geschäftsleute waren, die die Umtausch-Unsicherheit eiskalt ausgenutzt haben und sie es waren, die die Preise erhöht haben. Dass der Euro inzwischen eine starke, stabile Währung ist, passt nicht recht ins Konzept und wird der Einfachheit halber verschwiegen oder auch schlecht geregnet (»schadet unserem Exportgeschäft«).
Wie in Deutschland (und ganz anders als in Irland oder England) wird den Menschen hier permanent Angst gemacht. Die Vogelgrippe kommt und fordert Millionen von Toten (Ex-Gesundheitsministerin Rauch-Kallat [ÖVP) hat 8 Mio. Atemschutzmasken eingekauft, die niemand wollte und die jetzt in irgendwelchen Lagern verstauben und für die natürlich der Steuerzahler in Höhe von ca. 4,5 Mio. € zur Kasse gebeten wird) ; der Feinstaub zerfrisst unsere Lungen und sorgt dafür, dass die Grazer 17 Monate eher sterben müssen als andere Städter; Zecken verbeissen sich an uns; die Ausländer stehlen unser Hab und Gut, nehmen uns die Arbeit weg und sorgen dafür, dass die Rentner in Armut leben müssen; die Hunde stecken uns mit ihrem Kot an, die Hitze im Sommer tötet uns genauso wie die Kälte im Winter; man solle bloß ja nicht ins Ausland fahren, wo alles so viel schlechter ist als auf der »Insel der Seligen« (diesen absurden Begriff liest man täglich in den Zeitungen), die bösen Deutschen nehmen den Studenten die Plätze an der Universität weg; der Rinderwahn droht; Handystrahlen lassen gewaltige Hirntumore wachsen; der Genmais mutiert uns zu Monstern; der 'saure Regen' zerstört die Wälder; der Golfstrom versiegt und verwandelt Europa in eine Eiswüste; die Pilze sind nach Tschernobyl noch immer atomverseucht; Spinnen aus wärmeren Ländern greifen Österreich an. Von Erderwärmung, Ozonloch, Fuchsbandwurm über AIDS, SARS, Asbest, Ebola und Pollenallergien wird nichts ausgelassen, um die Menschen zu verängstigen. Und sie lassen sich nur zu gern -und ohne nachzudenken- Angst einjagen. Nur darf man dann nicht hinterher in den Zeitungen schreiben: Die Österreicher werden immer älter! Eines geht nur... - Ich bin mir sicher: Stünde morgen in der Zeitung, dass das El Niño-Phänomen dafür verantwortlich ist, dass Osterhasen immer weniger Eier legen, gebe es sicher das eine oder andere besorgte Gesicht. Übrigens: Eine Kollegin hat kürzlich wegen Elektro-Smog gekündigt.
Ein Sprichwort sagt, man lernt ein Land in den Straßenbahnen und Bussen kennen. Wie wahr! Wenn man den Gesprächen lauscht, die so oft voller Hass gegen was auch immer sind; die belehrenden Busfahrer; die Rücksichtslosigkeit beim Ein- und Aussteigen; die zahlreichen Betrunkenen, die pöbelnd durch den Gang streifen...
Es ist auch kaum vorstellbar, wie weit verbreitet Mobbing an österreichischen Arbeitsplätzen und an Schulen ist. Und auch hier scheint niemand ein Interesse daran zu haben, dagegen etwas zu unternehmen. In den psychiatrischen Kliniken sind enorm viele Patienten genau deswegen in Behandlung. Man sollte diese Patienten einmal anhören, was da am Arbeitsplatz teilweise für abscheuliche Dinge inszeniert werden. Selbst an den Arbeitsplätzen, die so häufig ausländerfrei sind, zeigt sich, dass man dann seinen Neid und seine Eifersucht gern auch an der eigenen Nationalität auslässt.
Um kein Mißverständnis entstehen zu lassen: Ich will hier nicht verallgemeinern! Natürlich habe ich auch einige liebenswerte Menschen kennengelernt, aber die zahlreichen Gehässigkeiten bleiben hängen, weil sie im Alltag so häufig vorkommen.
Wenn man in ein neues Land zieht, geht man dort mit einem hohen Mass an Vorfreude, Ehrfurcht und Motivation hin. Man hat Lust auf die Menschen, auf die Natur, das neue Umfeld. Mit dieser Einstellung hat es bei mir in vierzig Ländern gut geklappt. Leider nicht in Österreich. Fast jeden Tag steht in der Zeitung, dass sich die Ausländer doch endlich integrieren mögen. Nach einer Behandlung, wie ich sie erlebt habe, hat niemand auch nur ein Minimum an Interesse, sich zu integrieren. Was heißt Integration überhaupt? So zu werden wie die Menschen hier?
Den deutschen Medizinstudenten wird laufend vorgeworfen, hier in Österreich nur studieren zu wollen, um dann nach Deutschland zurückzukehren. Gegenfrage: Warum sollte man ausgerechnet in das wirtschaftlich so angeschlagene Deutschland zurückkehren, wenn hier doch alles so toll ist? Vielleicht haben die ausländischen Studenten während ihrer Studienzeit einfach erlebt, wie sie hier behandelt werden und drehen deshalb Österreich den Rücken zu.
Es herrscht eine allgegenwärtige Sündenbock-Mentalität, wie es sie in ähnlicher Weise auch schon im 3. Reich gab. Pausenlos rümpfen die Österreicher, die oft gar nicht wissen, dass Asylbewerber nicht arbeiten dürfen, über all die arbeitsscheuen, schmarotzenden Ausländer die Nase. Wird die eigene Tochter eine Woche später arbeitslos, heißt es jedoch, die Ausländer haben ihr den Arbeitsplatz weg genommen! Ich habe hier als Ausländer wirklich schreckliche Dinge erlebt. Ich mag gar nicht daran denken, wenn ich zudem auch noch eine dunkle Hautfarbe hätte ...
Intermezzo II: Wie Psychiatrien arbeiten
Im Laufe der Jahre konnte ich ja genügend Erfahrungen sammeln, wie in psychiatrischen Kliniken gearbeitet wird. Es sind immer wieder dieselben Methoden. Viele glauben: Wenn ich erstmal in der Psychiatrie bin, komme ich nie mehr heraus. Unsinn! Das gilt ja nicht mal für die wirklich gemeingefährlichen Verbrecher. Patienten mit Depressionen, Angstzuständen, Schizophrenie etc. sind schneller draußen als man denkt. Schließlich kostet die Unterbringung Geld und die Krankenkassen hinterfragen bei den Ärzten schnell, wann man -bitte schön- mit der Entlassung des Patienten rechnen könne.
In vielen Fällen mögen Psychiatrien helfen. In vielen nicht. Den Fällen, die ich kenne, geht es zwar mal kurzzeitig besser, aber eben nicht dauerhaft. Mir ist es bis heute schleierhaft, ob es die Psychopharmaka oder Neuroleptika sind, die dem Patienten helfen oder doch eher das häufig durchaus positive Umfeld in Kliniken oder Tageskliniken (viel Ablenkung, viele neue Bekanntschaften).
Mir haben eindeutig die Aktivitäten in den Kliniken geholfen, die neuen Bekanntschaften und natürlich die Tatsache, nicht mehr allein zu sein. Vielen anderen ging es ähnlich. Aber können die Ärzte wirklich entscheiden, ob es einem Patienten besser geht bzw. wie es ihm nach seiner Entlassung gehen wird? Sicher nicht und die Frage ist, ob es sie überhaupt interessiert. Nach der Entlassung heißt es: Nach mir die Sintflut!
Nie vergessen werde ich den Fall des depressiven Patienten B., der in der Psychiatrie in U. stationär aufgenommen war. Er hat den Oberarzt V. förmlich angebettelt, nicht entlassen zu werden. Doch mit einer Eiseskälte und Gnadenlosigkeit hat der Oberarzt diese Entlassung durchgesetzt. Patient B. hat seinerzeit Frau und Kinder nach einer Trennung verloren und wollte nicht mehr in das Haus mit all den Erinnerungen zurück. Doch er mußte! Noch am selben Abend hat er sich in seinem Gartenschuppen förmlich hingerichtet: Mit Alkohol und Schlaftabletten betäubte er sich zunächst, dann schnitt er sich die Pulsadern auf und zuletzt hat er sich erhängt. Obwohl selbst für Laien erkennbar war, dass dieser Patient nie hätte entlassen werden dürfen, geschah genau dies. Die Kosten waren zu hoch geworden; der teure Mensch wurde mit dem Tode bestraft. Oberarzt V. hatte keinerlei Konsequenzen zu erdulden. Noch heute ist er in der Klinik beschäftigt. Wahrscheinlich hat ihn dieser Tod nicht im mindesten berührt. Vielleicht muß man diesen herzlosen Abstand als Arzt auch haben, um diesen Beruf dauerhaft ausüben zu können.
Ähnlich war es in meinem Fall in der Psychiatrie Graz. Oberarzt Dr. Schwarzl hat mich im November 2005 genauso ins Nichts entlassen. Mein nächster Suizidversuch war sicher. Nur der positive und völlig unerwartete Bescheid vom Sozialamt hatte mich (noch) gerettet. Aber von dem Bescheid wußte in der Klinik niemand -und schon gar nicht Dr. Schwarzl- etwas.
Die psychiatrischen Kliniken arbeiten mit den immer selben Tricks:
Beispiel: Ein Patient auf Station, der wie B. seine Familie durch Trennung/Scheidung verloren hat. Ihm wird angeboten, an sportlichen Aktivitäten teilzunehmen.
(Variante a) Er nimmt an den Aktivitäten teil, blüht auf, genießt die neuen Bekanntschaften, aber auch das andere Umfeld (fern der Wohnung mit all den Erinnerungen an Frau und Kinder). Der Arzt wird ihm ein Anti-Depressiva verschreiben und wird schon nach kurzer Zeit diagnostizieren, dass es dem Patienten aufgrund des Medikaments besser geht. Er entläßt ihn - zurück in das häusliche Umfeld. Back to hell!
(Variante b) Der Patient nimmt nicht an den angeboten Aktivitäten teil; legt sich stattdessen ins Bett und trauert um seine Familie. Der Arzt wird ihm schnell Verweigerung unterstellen, dass er nicht therapiefähig ist - und entläßt auch ihn in die schon wartende Hölle.
Psychologie hat natürlich sehr viel mit Manipulation zu tun. Positive Manipulation kann helfen; negative Manipulation ist gleichzusetzen mit dem Ausnutzen eines Patienten (und seiner Krankheit bzw. Hilflosigkeit).
Beispiel: Ein Patient hat mit seinem Psychologen zahlreiche Sitzungen. In unzähligen Gesprächen bekommt der Psychologe natürlich die Empfindsamkeiten seines Patienten mit. Weiss der Psychologe eines Tages nicht mehr weiter oder ist er dem Patienten überdrüssig, muss er nur eine dieser Empfindsamkeiten benutzen, um seinen Patienten dazu zu bringen, selbst nicht mehr zu kommen. So ist der Psychologe aus dem Schneider und der Patient zusätzlich verzweifelt, weil er nicht nur einen, meist den einzigen, Gesprächspartner verloren hat, sondern weil er sich zudem verraten fühlt.
Auch ich blühte in der »Sigmund Freud«-Klinik anfangs etwas auf, war nicht mehr allein, hatte Ansprechpartner, es wurde gemeinsam gegessen, gemeinsam gespielt, gemeinsam Sport getrieben etc. Nur der Grund, warum ich in der Klinik war, war in keiner Weise behoben worden. Aber ich lachte und war aktiv. Für den Arzt der Beweis: Dem Patienten geht es (dank mir und dem Medikament) besser!
Immer wieder gleich ist auch das folgende Szenario. Man kommt in die Klinik; ein freundlicher Arzt begrüßt den Patienten und macht ihm mit den immer selben Worten Mut: »Das wird schon werden; das bekommen wir in den Griff!« Der Arzt verordnet immer ein Medikament, das oft erst nach 3-4 Wochen wirkt (... oder auch nicht - wie Studien kürzlich gezeigt haben). Das Paradoxe: Dann ist der Patient oft schon entlassen. Bei der Visite fragt der Arzt immer wieder: »Wie geht es?« Man ist nicht gut beraten zu sagen: »Schlecht!« Anfangs kann man das vielleicht noch verlauten lassen; auch ist es möglich, dass der Arzt ein weiteres bzw. anderes Medikament verschreibt. Aber dann sollte der Patient so allmählich erkennen lassen, dass es ihm besser geht, denn plötzlich wird der bisher freundliche Ton von Pflegedienst und Ärzten rauer! Mit der Wahrheit: »Doktor, mir geht es aber immer noch schlecht!« kommt man nicht mehr weiter. Der Arzt nimmt diese Aussage schnell persönlich; Visiten und Gespräche werden seltener; der Patient wird im Stich gelassen und zügig entlassen. Oder es beginnen kleine Mobbing-Spielchen nach dem Motto: »Sie haben sich nicht auf Station abgemeldet« (... obwohl der Patient es doch gemacht hat). Und plötzlich steht der Patient allein gegen eine Hundertschaft von Pflegepersonal und Ärzten, die sich natürlich alles gegenseitig bestätigen. Der einzige 'Fehler' des Patienten war, dass er ehrlich war und sagte: »Mir geht es immer noch sauschlecht«.
Die Sozialarbeiter (nicht alle!) arbeiten ähnlich, wie nicht nur in meinem Fall geschehen: Es wird mir angeboten, Bewerbungen zu schreiben. Ich bin Kaufmann, gut ausgebildet, habe Kommunikations-, PC- und Sprachkenntnisse. Was legt mir der sich in Gedanken schon auf Weltreise befindende Sozialarbeiter Philipp Hamedl in der Grazer Psychiatrie vor? Stellenausschreibungen als Pferdepfleger und Putzmann. Er konnte/musste damit rechnen, dass ich zu diesen Stellenangeboten »nein« sage. Und schon hat er erreicht, was er wollte: »Der Patient weigert sich; will nicht arbeiten, ist nicht therapiefähig! Entlassung«. Selbst wenn ich die Bewerbungen geschrieben hätte, wäre nach kurzer Zeit eine weitere Schikane gefunden worden. Mobbing par excellence! Nicht nur zufällig ist die Mobbingrate in Österreich (Schule, Arbeitsplatz) im Vergleich zu anderen Ländern erschütternd hoch.
Man muss gar nicht unbedingt psychisch krank sein, um in den geschlossenen Bereich einer Psychiatrie zu kommen; mehr als eine vorläufige Diagnose liegt oft noch gar nicht vor. In diesem Beispiel wird Herr XY in den geschlossenen Bereich verlegt. Er hat Angst vor dem Unbekannten (lauter fremde Gesichter, angstmachende Mitpatienten) und zu allem Übel wird auch noch die Tür verschlossen. Er ist eingesperrt! Nicht selten passiert es, dass es jetzt zu menschlich vollkommen normalen Panikreaktionen kommt (wer mag schon gern eingesperrt sein?). Herr XY hat Angst, furchtbare Angst -er war noch nie in der Psychiatrie, er war noch nie eingesperrt, er wird laut, ruft nach dem Personal, trommelt verzweifelt gegen die verschlossene Tür- und reagiert unbewusst(!) so, wie ihn Ärzte gern hätten, um einen längeren Aufenthalt im geschlossenen Bereich anordnen zu können.
Man möchte an dieser Stelle gar nicht erst die traumatisierten Menschen erwähnen, die vielleicht in ihrer Kindheit als Strafe eingesperrt wurden und damit überhaupt nicht umgehen können.
Ähnlich ist es in normalen Krankenhäusern. Ältere Patienten, die nie unter Verwirrtheit litten, sind es auf der Chirurgie oder der Inneren Medizin oft schon am ersten Tag: Sie sind verwirrt, weil sie urplötzlich aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen sind.
Ein anderes Beispiel - außerhalb von Psychiatrien: Man ist alt geworden, kommt ins Krankenhaus oder ins Altersheim. Als freundliche, liebe Omi, die lächelnd und strickend in der Ecke sitzt wird man keine Probleme haben. Doch was ist, wenn man an Demenz oder Alzheimer erkrankt? Manche sind erst 70 Jahre alt, wenn es sie trifft - und haben ansonsten keinerlei organische Erkrankungen. Die können mit Glück noch 90 Jahre oder älter werden. Aber diese Patienten machen unglaublich viel Arbeit. Sie sind oft hyperaktiv oder inkontinent, manchmal aggressiv und immer am Wandern. Man muss sie ständig im Auge behalten und jede Art von Ansprache oder Ermahnung wird nach Sekunden wieder vergessen. Die Nachtschwester, die allein Dienst hat, unablässig unter Druck steht, im Job schlecht behandelt wird und vielleicht auch noch persönliche Probleme hat, wird ihren Stress an die demenzkranken Patienten weitergeben: In Form von Schlägen, Fixierung am Bett, vielleicht auch noch in ganz anderer Form.
Ich selbst habe jahrelang im Krankenhaus gearbeitet und weiß von daher ziemlich genau, wie das Pflegepersonal arbeitet und handelt, wie es über die Patienten spricht - aber auch, in welch derbem Ton viele Ärzte über die Patienten herziehen. Und ich habe nicht nur einmal gesehen, wie das Pflegepersonal verwirrte Patienten geschlagen hat und mich mit meinem Schweigen mitschuldig gemacht. Aber das war damals noch eine Zeit, wo es nicht diese Personalengpässe gab wie heute! Ich befürchte, heute ist alles noch sehr viel schlimmer.
Deutlich ausgesprochene Suizid-Drohnungen werden in der Regel weniger ernst genommen. Es heisst: Wer mit Selbstmord droht, will nur auf sich aufmerksam machen; handelt jedoch nicht. Bei denjenigen jedoch, die sich umbringen, ohne vorher etwas gesagt zu haben, sagen die sogenannten Experten später: »Hätte sie/er doch bloß etwas gesagt«.
Gern wird man in den psychiatrischen Kliniken auch gefragt, was man möchte. Antwortet man ehrlich, erfolgt häufig das vollkommene Gegenteil: Habe ich im November 2005 Dr. Schwarzl angefleht, nicht entlassen zu werden, weil es mir unverändert schlecht ging, passierte genau das Gegenteil. Ein Jahr später sagte ich in der gleichen Klinik, dass ich am Montag gern wieder zur Arbeit gehen würde. Die Kommission entschied: Du bleibst noch weitere zwei Wochen! (Dazu mehr auf der nächsten Seite).
Gefälligkeitsgutachten: Besonders in der Psychiatrie eine gefährliche Waffe. Man sieht keine Narben, keine falsch amputierten Beine und hat oft keine Zeugen. Ärzten wie Dr. Schwarzl sind somit Tür und Tor für ihre widerlichen Spiele geöffnet:

 Ich komme nicht umhin, an dieser Stelle auch das Buch »Doktorspiele - Geständnisse eines Hochstaplers« (Goldmann-Verlag, Band 15247) zu erwähnen (Bild rechts). Irgendwie passt es: Gert Postel, ein Postbote aus Bremen, wollte zeigen, dass alles Akademische nur leeres Wortgeklingel ist. Das System, das Respekt erheischt und Milliardensummen verschluckt, dresche fuderweise leeres Stroh. 1982 fälscht Postel ein paar Dokumente und bewirbt sich als Dr. Dr. Clemens Bartholdy erfolgreich um den Posten des stellvertretenden Amtsarztes in Flensburg. Er reformiert die Einweisungspraxis in psychiatrische Kliniken, schreibt Gutachten und hält Vorträge vor Fachkollegen. Niemand merkt, dass er eigentlich keine Ahnung hat. Seine gefälschten Empfehlungen und Diplome sind ausgezeichnet, und auch mit seiner Arbeit ist man mehr als zufrieden. Bei einer Weiterbildung, so behauptet Postel, habe er unter Fachkollegen die »bipolare Depression dritten Grades« eingeführt. Der ausgemachte Blödsinn sei widerstandslos geschluckt worden. »Psychiatrie ist Sprachakrobatik plus ein wenig Inszenierung.« Das begrenzte Fachidiom lerne sich schnell. Postel hält sich dabei nicht für besonders intelligent. Sagt er. Aber diejenigen, die auf ihn reinfielen, hält er für noch dümmer. Der psychiatrische Gutachter, der ihm 1999 im zweiten Prozess eine »narzisstische Persönlichkeitsstörung« attestierte, wird von ihm genauso abgekanzelt.
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